Eine unglaubliche Präzision

Wittenberge hat ein neues Wahrzeichen / Gestern erhielt die Katholische Kirche wieder eine weithin sichtbare Turmspitze

WITTENBERGE - Als gestern Vormittag die Spitze auf dem Turmstumpf aufsetzte, waren sich alle einig: Das hat wunderbar geklappt. Dennoch zu Beginn der Himmelfahrt der 18 Meter hohen Konstruktion hatte es zwei Fehlversuche gegeben. Es schien, als wolle sich die in den Seilen hängende Spitze neigen. Weitere Gurte wurden angebracht und schließlich hing sie fest wie in einem Korsett.

Ein wirklich kritischer Moment war dann das Aufsetzen der Spitze auf den Turmstumpf. Matthias Wieck vom gleichnamigen Architekturbüro berichtete: Die Spitze musste zwischen zwei Giebel abgesenkt werden. "Da waren nicht mal fünf Zentimeter Luft", erklärte er. Eine Beschädigung der Giebel war schon ins Auge gefasst worden. Doch der Kran setzte die Spitze ohne anzuecken ab. Der Kommentar von Matthias Wieck: "Eine unglaubliche Präzision."

Einer, der sich an diesem Tag besonders freuen durfte, war Günther Mikolasch, Vorsitzender des Fördervereins, der sich 2006 zur Errichtung der Turmspitze gegründet hatte. "Das ist ein sehr schöner Moment." Mehr wolle er gar nicht sagen.

Jede Phase des Turmaufsetzens hatte auch Udo Schenk verfolgt. Er habe sich die Spitze auf dem Turm immer vorgestellt. Aber als sie gestern plötzlich leibhaftig da war, sei das doch etwas ganz anderes gewesen, schilderte der Schauspieler seinen Eindruck. Viermal war er beim Stadtfest dabei gewesen, um am Stand der Katholischen Kirche für die Turmspitze zu werben. Als beim ersten Mal gleich 1000 Euro zusammenkamen, habe er gemerkt, dass er mit seiner Popularität Leute zum Mitmachen bewegen kann. Er verwies auch auf die gemeinsame Benefizveranstaltung mit Heiko Reisig.

Aufmerksamer Beobachter des Geschehens war Gordon Thalmann von der Denkmalbehörde des Landkreises. Nach der Zerstörung des Turms bei einem Bombenangriff auf Wittenberge sei diese Kriegswunde nun geheilt. Ziel sei es gewesen, den Turm originalgetreu wieder herzustellen. Das sei allerdings nicht so einfach gewesen, da die alten Bauunterlagen nur ungenau waren. Postkarten und Fotos mussten für die Rekonstruktion hinzugezogen werden. Nach der Zerstörung der Turmspitze waren zwei Giebel abgetragen worden, damit ein Notdach errichtet werden konnte. Die beiden Giebel am Fuß der Turmspitze werden nun wieder aufgemauert, damit sind die vier Giebel wieder vollständig. Die vier Turmecken bekommen auch die ehemaligen Filialtürmchen zurück. Bis zum Ende des Jahres wird eine Turmuhr eingebaut. Das Ziffernblatt ist vom Markt aus zu sehen.

Herbert Dreifke, Vorsitzender des Fördervereins zur Errichtung der Turmspitze von St. Jacobi in Perleberg, meinte, dieser Tag mache Mut, dass die Jacobikirche in einigen Jahren auch wieder eine Turmspitze aufgesetzt bekomme.

Der Förderverein in Wittenberge brachte innerhalb von sechs Jahren mehr als 105 000 Euro auf. Die Gesamtbaukosten betragen voraussichtlich 170 000 Euro. Das Land beteiligt sich mit 20 000 Euro und das Bonifazius-Werk der Katholischen Kirche steuert 38 000 Euro bei. (Von Michael Beeskow)

Märkische Allgemeine vom 24. August 2012

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