Schätze in der alten Sakristei entdeckt

Sanierungsarbeiten in der Senftenberger Peter-Paul-Kirche sorgen für Überraschungen

SENFTENBERG In der evangelischen Peter-Paul-Kirche im Stadtzentrum von Senftenberg sind bei Bauarbeiten Schätze ans Licht gekommen. Aus Gold und Edelstein sind sie nicht. Doch sie berichten vom Leben der Lausitzer vor mehr als 500 Jahren und sind so wertvolle Zeugen der Vergangenheit.

 
Bauforscher Frank-Ernest Nitzsche (vorn) zeigt Pfarrer Manfred Schwarz die Spuren der Vergangenheit in der Sakristei.
Foto: Steffen Rasche/str1

Frank-Ernest Nitzsche hat Putzmittel mitgebracht. Er kniet sich auf den Backsteinfußboden und wienert kraftvoll einen der Steine. "Ist das nicht wunderbar", strahlt er und weist auf das Ornament, das in die Oberfläche des Ziegels eingebrannt ist: Teil eines Sonnenrades und in den Ecken Verzierungen. "Der war vielleicht einmal für die Fassade vorgesehen." Andere Steine haben Spuren, die von Kinderhänden stammen könnten. Dem freien Architekten aus Görlitz, der als Gemälderestaurator und Bauforscher in der Lausitz unterwegs ist, erzählen die Steine in der Sakristei der Senftenberger Peter-Paul-Kirche Geschichten.

Vor mehr als 500 Jahren, so weiß er, haben bereits Siebenjährige in Handwerksbetrieben mitgearbeitet. "Sie haben die Steine in den Formen zum Trocknen getragen. Um sie zu kennzeichnen, wurde der frische Ton markiert. "Die kleinen Striche könnten also von Kinderfingern stammen." Nitzsche ist begeistert, was er in der kleinen Sakristei entdeckt. Dabei war er vor gut einer Woche von Pfarrer Manfred Schwarz in die Kirche gerufen worden, um eine zugemauerte Verbindung, die einst vom Kircheninneren in den sakralen Nebenraum geführt hat, zu beurteilen. "Inzwischen schwärmt er auch vom gut erhalten mittelalterlichen Fußboden und den Nischen, die sich hinterm Mauerwerk in den Wänden versteckt haben", berichtet der Pfarrer, während er sich immer wieder staunend in der Sakristei umsieht und interessiert den Entdeckungen des Bauforschers folgt.

Eigentlich war der Raum, der den Priestern einst zur Vorbereitung auf den Gottesdienst diente, in den letzten Jahren immer mehr zur Abstellkammer verkommen. Stühle, Heizung, Technik, Blumenvasen oder Chorstufen hat er beherbergt. Nun ist er im Zuge der Sanierung der Peter-Paul-Kirche geräumt und vom Putz der Generationen befreit worden. "Dass er uns solche Geschichten erzählen kann, hätten wir nicht geahnt", gesteht Schwarz. Eigentlich sollte er nur hergerichtet werden und auch die nächsten hundert Jahre Stauraum bieten. "Das werden wir nun neu durchdenken müssen." Schützender Holzfußboden mit Sichtfenstern, sakrale Gegenstände in freigelegten Nischen und Wandschränken könnten aus dem kleinen Raum mit seinem Kreuzrippengewölbe ein Kleinod machen und die Besucher locken. Erst recht, wenn das ehemalig sächsische Senftenberg 2014 die 1. Brandenburgische Landesausstellung im Schloss Doberlug (Elbe-Elster-Kreis) zum Thema "Sachsen und Preußen. Szenen einer Nachbarschaft" mit einer eigenen Ausstellung bereichert. "Außerdem gibt es solche Geschichtszeugen aus dem 15. Jahrhundert hier nicht so oft", ermuntert Frank-Ernest Nitzsche. Manfred Schwarz nimmt die Anregungen gern auf. Doch ob sie sich jetzt umsetzen lassen, weiß er noch nicht. In den 520 000 Euro Baukosten für die Sanierung, die bis zum 1. Advent abgeschlossen sein soll, jedenfalls sind sie nicht eingeplant. "Da müssen wir uns etwas einfallen lassen." Klar ist für ihn auf jeden Fall, dass die Geschichte(n) der kleinen Sakristei weitererzählt werden müssen. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag ist erstmals Gelegenheit dafür.

Heidrun Seidel

Lausitzer Rundschau vom 08. September 2012

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