Erna Roders Lebenswerk ist fortgesetzt

Kienitz (MOZ) Mit einem Gottesdienst, an dem etwa 200 Christen teilnahmen und der Taufe der kleine Elsa hat die Kirchengemeinde Letschin-Oderbruch am Sonnabend nach mehr als einem Jahr Bauzeit die sanierte Kienitzer Kirche wieder eröffnet. Sie ist jetzt eine Radfahrerkirche.

 
Wiedereinweihung: Mit einem vom Letschiner Pfarrer Frank Schneider geleiteten Gottesdienst haben die Christen aus der Evangelischen Kirchengemeinde Letschin-Oderbruch die Wiedereröffnung der sanierten Kienitzer Kirche gefeiert.
© Simone Winkler

"Erna Roder hätte es zwar anders gemacht - aber es ist schön so", sagte Superintendent Roland Kühne in seinem Grußwort. Er erinnerte, wie vor ihm schon die Landtagsabgeordnete Jutta Lieske (SPD, "Erna Roder wäre heute überglücklich") an die Kienitzer Pfarrfrau, deren Lebenswerk der Erhalt "ihrer" Kirche war. Das Werk sei fortgesetzt und die Kienitzer Kirche damit in ihrem Bestand gesichert worden, betonte der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Ralf Knopke.

Er dankte namens der Kirchengemeinde allen am Bau Beteiligten. Besonders aber Jürgen Müller, der nicht nur einer der vier Betreiber des im Zuge des Um- und Ausbaus entstandenen kleinen Kirchencafés "Himmel und Erde" ist. Sondern der es durch eine Nachtschicht auch geschafft hatte, die mit einer Woche Verspätung eingetroffenen Tafeln zur Geschichte der Kienitzer Kirche noch richtig anzubringen.

Im komplett neu gestalteten Kirchsaal weihte der Letschiner Pfarrer Frank Schneider beim Gottesdienst den modernen, neuen Altar ein. Er ruht auf Metallgittern, die Fischernetze darstellen und die ebenso wie das von der Decke hängende Boot aus Kunststoff-Planken an die Oder-Fischerei erinnern, der Kienitz seine Existenz verdankt. "Dieses Netz der Gnade und Liebe Gottes fängt alle auf", erklärte Schneider das biblische Sinnbild des vom Bad Freienwalder Kunstschmied und Bildhauer Axel Anklam geschaffenen Altars.

In seiner Predigt erbat der Pfarrer, unterstützt von der geballten Kraft vieler Bläser aus dem ganzen Kirchenkreis, Gottes Segen für das wieder in Besitz genommene Haus. Seine Worte und die Musik konnten all jene Teilnehmer des Gottesdienstes, die im Kirchsaal keinen Platz gefunden hatten, über Lautsprecher draußen, im offenen Teil des Kirchenschiffes verfolgen. Nicht aber den Akt, der für Frank Schneider der "vielleicht schönste Teil" des Wiedereinweihungs-Gottesdienstes war: die Taufe der kleinen Elsa Malina Laurentia Lehnert aus Zechin. Mit Oderwasser, das ihr Vater Martin Lorenz geholt hatte, wurde die Zweijährige in den Kreis der Christen aufgenommen.

Letschins Bürgermeister Michael Böttcher bekannte, dass ihm als Kienitzer das Herz aufgehe, wenn er die gesicherte und sanierte Kirche sehe. Rund 400 000 Euro sind - vor allem aus dem Fördertopf für die integrierte ländliche Entwicklung (ILE) - in das Vorhaben geflossen. Seit dem Juni vorigen Jahres sind das Mauerwerk der Kirche trockengelegt, schadhafte Stellen in der Fassade ausgebessert, der offene Teil des Kirchenschiffs der zum Ende des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigten Kirche gesichert und das Café eingebaut sowie die Fenster, Heizung, Elektroanlage, Decke, Wände und der Fußboden des Kirchsaals erneuert worden.

Das Angebot des in der warmen Saison täglich von 11 bis 19 Uhr geöffneten Kirchencafés richtet sich vor allem an die vielen Radfahrer, die auf dem in unmittelbarer Nähe vorbei führenden Oder-Neiße-Radweg fahren. Sie können sich in der neuen Radfahrerkirche nicht nur stärken, sondern finden dort auch alles vor, was zur Reparatur eines kaputten Schlauches oder anderer Fahrradteile nötig ist.

Märkische Oderzeitung vom 16. September 2012

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