Mit neuer Farbigkeit zurück zu Stüler

Chorin (MOZ) "Das wird 'ne richtig bunte Kiste", hatte Pfarrer Andreas Lorenz nach den ersten restauratorischen Untersuchungen salopp versprochen. Es wurde eine bunte Kiste. Wie der Baustellenbesucher sofort beim Betreten der Brodowiner Stüler-Kirche erstaunt feststellt. Auch wenn die Malerarbeiten noch nicht ganz abgeschlossen sind.

Kaum wiederzuerkennen: das Gotteshaus von Brodowin. Der Innenraum wird derzeit aufwändig saniert. Dank Förderung aus dem Programm "Integrierte ländliche Entwicklung" stehen für das Kirchenschiff insgesamt 560 000 Euro zur Verfügung.
© MOZ/Thomas Burckhardt

Wobei Andreas Lorenz einräumt, dass selbst er überrascht ist. Denn im Laufe der Sanierung seien immer wieder auch neue Befunde ans Licht gekommen. "Und im Bereich der Apsis sind die Restauratoren noch am Werke", so Lorenz. Hell und freundlich, zugleich farbenfroh-mutig kommt der Innenraum jetzt daher. Die Wände haben einen Anstrich in einem Cappuccinoton erhalten. Blaue und rote Begleitstriche grenzen den oberen vom dunkleren Sockelbereich ab. Neben diesen eher geometrisch anmutenden Elementen sorgen kleine, aber ebenso klare Dekore für Akzente. Etwa in der Kassettendecke oder an den hölzernen Zapfen.

"Das Anliegen der Sanierung ist ja, Stüler möglichst nahezukommen", erklärt Andreas Lorenz, "und damit dem Gotteshaus die Originalfassung von 1853 zurückzugeben." Dieses Ziel sei bereits erreicht, ist der Pfarrer überzeugt. Natürlich sei es mitunter schwierig, die erste von der zweiten Farbschicht zu unterscheiden. Zu oft bzw. zu nachhaltig sei die Kirche im Laufe der Jahrzehnte innen verändert worden, zum Teil auch durch aus heutiger Sicht unsachgemäße Instandsetzungen. So waren nachweislich die beiden Wandbilder seitlich der Apsis, die Engel zeigen, 1956 übermalt worden. Die Restauratoren haben versucht, die Wesen "freizulegen". Es blieben Fragmente. "Aber die Konturen zeichnen sich doch gut ab", zeigt Lorenz auf die Überreste. Trotz des unvollendetes Charakter sei er sehr zufrieden, versichert der Kirchenmann.

Zur neuen Farbigkeit tragen ebenso die aufgearbeiteten Kirchenfenster bei. Die Oktobersonne lässt die Bleiverglasungen förmlich leuchten.

Handwerker sind jetzt dabei, die Fuß- und die Sockelheizung zu installieren. Ebenso wie das automatische Belüftungssystem eingebaut wird. Dieses soll künftig verhindern, dass sich wieder Kondenswasser bildet, was in der Folge zu Feuchtigkeitsschäden führen würde. Das System reguliere die Luftfeuchtigkeit in der Kirche.

Auch außen sind die ersten Sanierungserfolge bereits deutlich sichtbar. Vor allem in Gestalt des neuen Daches. Schiefer hat die roten Doppelrömer aus den 80er Jahren abgelöst. Die neue Eindeckung sehe "sehr elegant aus und betont noch mal den Ziergiebel", findet Lorenz. Zuvor war der Dachstuhl komplett saniert worden. "Etwa 80 Prozent der Balken und Sparren mussten infolge Hausschwamm- oder Holzwurmbefalls ausgetauscht werden."

Weihnachten soll dieser Bauabschnitt fertiggestellt sein. Insgesamt stehen für das Kirchenschiff dank Förderung 560 000 Euro zur Verfügung. "Um den Sanierungserfolg dauerhaft zu sichern, müssen wir 2013 noch das Mauerwerk neu verfugen."

Märkische Oderzeitung vom 26. Oktober 2012

   Zur Artikelübersicht