Senftenberger Peter-Paul-Kirche wird zum 1. Advent wieder eröffnet

Letzte Sanierungsarbeiten im Gange / Orgel wurde überholt / Festgottesdienst am 2. Dezember

SENFTENBERG . Pünktlich zum 1. Advent sollte die evangelische Peter-Paul-Kirche in Senftenberg nach halbjähriger Bauzeit wieder zum Gottesdienst einladen können. Damit der Plan aufgeht, arbeiten die Handwerker bis zur letzten Minute.

 
Schlichte Schönheit kehrt zurück: Die Peter-Paul-Kirche nach der Sanierung.
Foto: Steffen Rasche

Ingolf Huth und Cornelius Müller richten die Orgelpfeifen aus. Die 41 Zinn-Röhren sind nun aus der Sommerfrische zurückgekehrt und strahlen gut erholt in Reih' und Glied von der Empore in das Kirchenschiff der Peter-Paul-Kirche in Senftenberg. In der Hermann Eule Orgelbau GmbH in Bautzen durften sie sich einer Schönheitskur unterziehen, damit Staub und Farbe, die seit 31. Mai das Leben in der Kirche bestimmen, ihnen nichts anhaben konnten. Nun sind sie wieder da, geben aber noch keinen Ton von sich.

In der gut beschäftigten Firma, die derzeit Orgeln zwischen Bodö in Norwegens Norden und Vaduz in Liechtenstein baut, hatte man nicht damit gerechnet, dass die Senftenberger ihren straffen Zeitplan einhalten und nach einem halben Jahr Bauzeit tatsächlich Einweihung feiern würden.

Manfred Schwarz, Pfarrer und Bauherr, erzählt die kleine Anekdote mit Stolz in der Stimme. "Die kennen uns Senftenberger nicht. Wir schaffen das", sagt er lächelnd. Und dass die Orgel erst im Frühjahr ihre Stimme wiederfinden wird, ist halb so wild. Eine frisch restaurierte mobile Orgel wird sie würdig vertreten. Während die beiden Orgelbauer ihr Werkzeug ordnen, zieht neben ihnen Günter Hänschen Kabelschächte. Er ist Elektriker der Lübbenauer Firma TeGeMa und weiß, dass ein modernes Gotteshaus ohne Strom nicht auskommt. Über ihm steht Wolfgang Fritzsch auf der Leiter. Der Rittersgrüner aus dem Erzgebirge ist dabei, das letzte Kirchenfenster einzubauen.

Die Bleiglasfenster in Butzen- und Rautenformen mussten ausgebaut, aufgearbeitet und wieder eingebaut werden. Da hatten die fünf Mitarbeiter der Glaswerkstätten Fritzsch, die auch an der Restauration des Völkerschlachtdenkmals in 70 Meter Höhe mitgearbeitet haben, gut zu tun. 14 große und vier kleine Fenster mit Antikglas sind nun originalgetreu wieder an Ort und Stelle. Indes bringen die Tischler neue Kassetten an die Emporen-Brüstung an, und junge Männer wienern auf den Knien das neu verfugte Pflaster des Kirchenbodens. Ein Teil der Kirchenbänke, in Graugrün neu gestrichen, steht schon am Platz, andere warten noch auf eine neue Sitzheizung. "Kann sein, dass wir das nicht mehr schaffen bis nächste Woche", sagt der Pfarrer. "Es wird noch nicht alles perfekt sein."

Kaum ein Tag vergeht, dass Manfred Schwarz nicht in der Kirche nach dem Rechten schaut. Nach der Sanierung der Wendischen Kirche in der Nachbarschaft ist das sein größtes Bauprojekt, seit er 1990 mit seiner Frau die Pfarrstelle in Senftenberg übernommen hat. Begeistert erzählt er von den Wandlungen, die die Kirche, die den beiden Heiligen Petrus und Paulus gewidmet ist, genommen hat. Das einst prächtig ausgestattete Gotteshaus ist heute eher schlicht und lenkt den Blick vor allem auf die besondere Architektur des Zellengewölbes. Seine prächtige Ausstattung hat ihm eine auf Schlichtheit ausgerichtete "Renovation" in den 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts genommen. Gemeindekirchenrat und viele Helfer begleiten die Sanierung mit Leidenschaft.

Mit einem Festgottesdienst wird die Evangelische Peter-Paul-Kirche in Senftenberg am 2. Dezember, 9.30 Uhr, eröffnet.

Heidrun Seidel

Lausitzer Rundschau vom 27. November 2012

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