Reformierte feiern neues Dach

Groß Ziethen (MOZ) In der christlichen Kirche gilt der Advent als die Zeit des Wartens, doch für die französisch-reformierte Kirche in Groß-Ziethen hatte die Zeit des Wartens am vergangenen Sonntag ein Ende: nach knapp einem Jahr konnte sie unter einem renovierten Kirchendach wieder ihren Gottesdienst feiern.

 
Der Winter kann kommen: Das neue Dach der Kirche in Groß-Ziethen hält nun wieder dicht.
© MOZ

Und so freute sich Pfarrer Jürgen Kaiser in seiner Predigt, dass "wir wieder ein Dach über dem Kopf haben". Die Kirche sei der Mittelpunkt eines jeden Dorfes und auch stets das höchste Gebäude im Ort.

Aber Gott wohne nicht im Gotteshaus, sondern in seinem Wort, in seinem Namen, wenn Menschen ihn anriefen, dann sei er da, sagte der Theologe vor mehr als hundert Gottesdienstbesuchern. Zum feierlichen Anlass hatte Kaiser den Chor der französischen Gemeinde in Berlin eingeladen; wegen des heftigen Schneetreibens verspätete der sich, wusste dann aber mit drei Werken von Benjamin Britten das Publikum zu überzeugen, die zur Aufführung kamen.

Kaiser ist Pfarrer der französischen Gemeinde in Berlin und hilft seit dem plötzlichen Tod der Pastorin Heike Schulze in der Kirchengemeinde Ziethen (dazu zählen Groß- und Klein-Ziethen sowie Senftenhütte) regelmäßig aus.

Er sprach von widersprüchlichen Gefühlen, neben der Freude über das gelungene Werk mische sich die Trauer über den Verlust der beliebten Seelsorgerin, die maßgeblichen Anteil an der Rettung der alten Kirche gehabt habe. Sie habe die Renovierung konsequent angestoßen, intensiv nach Sponsoren gesucht und den ersten Bauabschnitt mit ihren Hinweisen noch begleiten können.

Kaiser bedankte sich bei den zahlreichen Spendern aus der Gemeinde, besonders bei Carsten Weber von der gleichnamigen Holzmanufaktur in Groß-Ziethen; der Unternehmer habe die Hauptlast getragen. Gefördert wurde die Restaurierung vom Land Brandenburg, vom Landkreis Barnim, von der evangelischen Landeskirche, dem reformierten Kirchenkreis, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler sowie vom Förderkreis alte Kirchen. Alle gemeinsam hatten ihren Anteil erbracht.

Die Dorfkirche in Groß-Ziethen ist eine der typischen Brandenburger Feldsteinkirchen, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert reichen. Im Dreißigjährigen Krieg fast komplett zerstört und niedergebrannt, wurde sie von französischen Hugenotten wieder aufgebaut und 1717 fertig gestellt.

2011 wurde als erster Bauabschnitt das Tragwerk des Turms instand gesetzt, der Turm selbst erhielt eine neue Verschalung aus Lärchenholz sowie ein neues Dach.

Im zweiten Bauabschnitt tauschten die Zimmerleute nicht mehr tragfähige Dachbalken gegen neue aus, Dachdecker deckten das Dach neu mit roten Pfannen ein.

Märkische Oderzeitung vom 11. Dezember 2012

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