Rettung für Brandenburger Kirchen

von Benjamin Lassiwe

"Der Altar ist ein Glücksfall für die Denkmalpflege"

Der Landeskonservator lobt die Urtümlichkeit der Kirche von Laubst. Die Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" soll nun bei der Sanierung der Kirchen in Brandenburg helfen.

 
Erhalten seit rund 400 Jahren: Der Altar in der Laubster Kirche ist eine Rarität und soll nun restauriert werden.
Foto: Bernd Janowski (MWFK)

Laubst/Potsdam (ukk)

Der Holzwurm hatte eine Festmahlzeit, mehr als 400 Jahre lang. Und auch die Farben, mit denen Lausitzer Künstler einst versuchten, die nicht vorhandenen Edelsteine, das fehlende Gold und den viel zu teuren Marmor auf dem schlichten Holzaltar der Kirche von Laubst zu imitieren, sind allmählich am Verblassen. Seit das Laubster Altarretabel im Jahr 1608 entstand, blieb es unverändert. "Im Prinzip ist der Altar ein Glücksfall für die Denkmalpflege", sagt Landeskonservator Thomas Drachenberg. Kein späterer Künstler übermalte die Gemälde, kein selbsternannter Restaurator versuchte, das Kunstwerk dem Geschmack der Zeit anzupassen.

Doch das ist auch das Problem: Weil Laubst zu DDR-Zeiten abgebaggert werden sollte, fanden bis in die jüngste Zeit keinerlei Erhaltungsmaßnahmen an dem Altar statt. "Wir brauchen 16.000 Euro für eine Sicherung und 16.000 Euro für eine Restaurierung", sagt der Landeskonservator.

1990 war noch die Hälfte aller Kirchen vom Verfall bedroht

Der Laubster Altar steht deswegen in diesem Jahr im Zentrum der Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke", die Kultusministerin Sabine Kunst und der Evangelische Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann am Montag in Potsdam vorstellten. Die von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zusammen mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Förderkreis "Alte Kirchen" Berlin-Brandenburg und der Stiftung "Kirchliches Kulturerbe in Berlin-Brandenburg" in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gestartete Kampagne soll dazu dienen, die oft jahrhundertealten Kunstwerke in den 1600 Dorfkirchen des Landes Brandenburg zu erhalten. Denn die meist nur sehr kleinen Kirchengemeinden in den Dörfern sind damit vielfach überfordert.

"Wir haben es seit der Wende geschafft, die meisten Kirchengebäude in ihrer Substanz zu sichern", sagt Seelemann. Heute seien nur noch 200 Gotteshäuser in Brandenburg in ihrem Bestand gefährdet. 1990 war dagegen noch die Hälfte aller Kirchengebäude vom Verfall bedroht. Um diesen Zustand zu erreichen, ist viel Geld geflossen: Die EKBO stellt pro Jahr rund 20 Millionen Euro für den Erhalt ihrer Gotteshäuser zur Verfügung. Das Land Brandenburg beteiligt sich nach Angaben von Kultusministerin Sabine Kunst Jahr für Jahr mit 1,35 Millionen Euro aus Mitteln des Evangelischen Staatskirchenvertrags, sowie mit einer zusätzlichen Million für den Erhalt des Doms zu Brandenburg. Und die mehr als 200 Fördervereine vor Ort hätten nach Angaben von Wolf-Dietrich Meyer-Rath vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg in den letzten 20 Jahren ebenfalls mehr als eine Million Euro für den Erhalt alter Gotteshäuser gesammelt. "Deswegen können wir uns jetzt um die Inneneinrichtungen kümmern", so Seelemann.

Kunsthandwerker gaben den Geschichten der Menschen eine Form

Schon in den vergangenen Jahren fand deswegen die Aktion "Menschen helfen Engeln" statt, bei der insgesamt 63.000 Euro zur Sanierung von 20 vom Verfall bedrohten Taufengeln gesammelt wurden. "Dorfkirchen mit ihren Kunstwerken werden zu Recht als kulturhistorisches Erbe angesehen", sagt auch Kultusministerin Sabine Kunst (parteilos). "Sie sind Orte des Gebets und des Gottesdienstes, aber für viele Bürger auch Bauwerke, die sie mit der Heimat verbinden und die lokale Identität darstellen."

Was im Fall des Laubster Altars gleich doppelt gilt. Denn vor mehr als 400 Jahren war es kein berühmter italienischer Maler, der im kleinen Lausitzdorf den Altar gestaltete. "Es waren die Kunsthandwerker aus den Dörfern, die den Geschichten der Menschen im Dorf und der Geschichte Gottes mit den Menschen eine Form gegeben haben", sagt Seelemann.

Uckermarkkurier vom 18. Dezember 2012

   Zur Artikelübersicht