Säulen gerettet

Niebendorfer Kirchenempore spätestens Ostern wieder komplett

NIEBENDORF - "Auf zum Endspurt", hieß es kürzlich für Dirk Jacob und Dörte Busch. Vorige Woche lösten die beiden Berliner Restauratoren ihr im Sommer gegebenes Versprechen ein und befestigten an der restaurierten Empore der Niebendorfer Kirche die letzten Schmucksäulen. "Eine Arbeit, bei der man Ruhe braucht und am besten allein ist", so Dirk Jacob. Das Einpassen der etwa einen Meter langen, schwungvoll verdreht gedrechselten Säulen ist Millimeterarbeit und erfordert neben Geschick und Geduld auch eine Portion Mut. So ausgestattet geht es vom Kirchenschiff per Leiter zur Empore hinauf, wo die Säulen dann befestigt werden.

Vor vier Monaten gingen Jacob und Busch ans Werk. Eine Woche lang widmeten sie sich der einst kunstvoll gestalteten, hölzernen Pracht, an der der Holzwurm im Laufe der Jahrhunderte ganze Arbeit geleistet hatte. Mit Kunstharztinktur, Pipette, Injektionsnadel, Pinsel und Farbe gingen sie ans Werk.

Neun Säulen waren so stark geschädigt, dass sie mit in die Werkstatt der Restauratoren genommen werden mussten. Für drei der zwanzig Säulen kam jede Rettung zu spät, die wurden in einer Dresdener Spezialwerkstatt originalgetrau nachgebaut.

Auch der farblichen Urfassung der Empore sind die Restauratoren bei ihrer Arbeit auf den Grund gegangen. Erst im 19. Jahrhundert, so Jacob, wurde die Empore, dem damaligen Zeitgeschmack gemäß, teilweise in Ultramarin übermalt, möglicherweise, um bereits erste Schäden zu überdecken. Ursprünglich war die Empore in Grau, einzelne Elemente in Weiß und Gold abgesetzt. Alle Elemente in Ultramarin sind nun im früher üblichen Kobald-Blau. "Dieser Farbton findet sich an vielen Stellen wieder, zum Beispiel am Altar, an der Kanzel und in der Deckenbemalung", so Jacob. Bis Ostern sollen die letzten Elemente der Empore angebracht sein. (Von Uwe Klemens)

Märkische Allgemeine vom 27. Dezember 2012

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