Dem Schwamm den Kampf angesagt

Der schwere Dachstuhl drückte bereits das Mauerwerk nach außen / Bis zur 750-Jahr-Feier soll das Dach fertig sein

FREYENSTEIN - Der Schwamm braucht zum Überleben Feuchtigkeit. Im Dachstuhl der Freyensteiner Kirche hatte er die. Als der Dachstuhl errichtet wurde, das war nach dem großen Brand im Jahre 1812, wurde einiges nicht so gebaut wie es hätte sein müssen besonders an den Stellen, wo das Holz auf Mauerwerk trifft. Deswegen fand letztlich auch der Schwamm, einer der schlimmsten Feinde von Bauwerken, einen Zugang zu den Dachbalken der Freyensteiner Kirche. Diesem Problem kommt man derzeit mit einer größeren Baumaßnahme bei.

Die Arbeiten an der Nordseite der Kirche werden bis Ende Februar fertig sein wenn den Zimmerern und Maurern der Mücheberger Baugesellschaft nicht noch starker Frost einen Strich durch die Rechnung macht. Die Schwierigkeit an dieser Baustelle ist, wie Zimmermann Matthias Schmidt sagt, "dass wir nicht von unten nach oben bauen, sondern mittendrin."

Wie Friedhelm Kanzler, der Baubeauftragte der Kirchengemeinde Freyenstein erklärt, kam es zu dem Schwammbefall, weil die Balkenköpfe komplett im Gesims eingelassen waren. So konnte keine Luft ans Holz gelangen, und eindringende Feuchtigkeit konnte nicht mehr entweichen. Diese Schwachstellen wurden jedoch Ende der 1980er Jahre beim Umdecken der Kirche nicht beseitigt.

Doch mit Hilfe von Fördermitteln kann seit September vergangenen Jahres die Gefahr, die von den morschen Dachbalken und dem maroden Gesimsmauerwerk ausging, beseitigt werden. Denn die schwere Dachkonstruktion hat bereites das Mauerwerk nach außen gedrückt. "Im schlimmsten Fall wäre es in einigen Jahren dazu gekommen, dass das Dach an verschiedenen Stellen eingebrochen wäre", sagt Friedhelm Kanzler. Nicht auszudenken, wenn so etwas zum Beispiel während eines Gottesdienstes passiert wäre.

Die vom Schwamm befallenen Abschnitte der Balken werden in mühevoller Kleinarbeit ausgeschnitten und durch gesundes Holz ersetzt. Abgesehen davon ist der Dachstuhl sehr stabil. "Eigentlich ist der Dachstuhl besser in Schuss als der des Schlosses", sagt Kanzler. Und der Zimmermann hat festgestellt, dass die Balken mit einem Breitbeil von Hand beschlagen worden sind. "Hier im Dachstuhl ist ein ganzer Wald verbaut."

Nach Abschluss der Zimmerer- und Maurerarbeiten wird das große Kirchendach komplett neu eingedeckt. Die Kirchengemeinde hofft, dass bis zum Beginn der Festwoche aus Anlass des 750-jährigen Bestehens von Freyenstein das Kirchendach noch fertig wird. Termin wäre also Anfang Juni. Dann werden am Dach der Kirche rund 267 000 Euro verbaut sein. So viel Geld steht der Kirchengemeinde dafür zur Verfügung.

Der Kirchturm muss noch warten. Auch der müsste dringend saniert werden. Wie Kanzler sagt, sollen noch 2013 die Anträge gestellt werden. "Mit der Baumaßnahme ist aber nicht vor 2014 zu rechnen. Eher später", wie Friedhelm Kanzler sagt. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 08. Januar 2013

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