Mindestbedarf: 500 000 Euro

Neuer Chef, alter Wunsch: Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg fordert einen Denkmalfonds

WÜNSDORF/POTSDAM - Geld ist bekanntlich immer zu wenig da. Vor allem disponibles, wie im Wünsdorf ansässigen Landesamt für Denkmalpflege. Brandenburgs neuer Landeskonservator Thomas Drachenberg wird darum des Dauerthemas "Denkmalfonds" ebenso wenig müde wie sein 2012 in den Ruhestand gewechselter Vorgänger Detlev Karg. Den Fonds gibt es nämlich seit der 2004 erfolgten Novelle des Denkmalschutzgesetzes nicht mehr. Was es gibt, ist die vom Kulturministerium angeregte "konzertierte Denkmalhilfe".

Ohne die nun kleinzureden, aber 2012 konnten gerade mal 7500 Euro ausgereicht werden für die Notsicherung des Brauhauses der Plänitzer Gutsanlage (Ostprignitz-Ruppin). Den Mindestbedarf für den "Feuerwehrtopf" beziffert Drachenberg jedoch mit 500 000 Euro. Ob, was Karg bereits 2007 vorgeschlagen hatte, eine Denkmalstiftung mit dieser Summe ausgestattet oder die Neuauflage des Denkmalfonds ermöglicht wird, ist für Drachenberg nicht entscheidend. "Hauptsache, es geschieht etwas für den Substanzschutz." Hoffnung gebe es insofern, als Landtag und Landesregierung jetzt gemeinsam über eine Stiftungsgründung nachdächten. "Im Februar wird der Kulturausschuss des Parlaments beraten. Eine schnelle Lösung ist allerdings nicht zu erwarten."

Womit er hingegen 2012 rechnen durfte, verbucht Drachenberg als Erfolg: Dank der 2,3 Millionen Euro aus dem Förderprogramm für national bedeutende Kulturdenkmale konnte etwa den Malereien der Kirche in Kloster Zinna (Teltow-Fläming) geholfen werden. Durch das dritte Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes konnte ein Gesamtvolumen von 6,5 Millionen Euro verbaut, also auch die Innensanierung des Brandenburger Doms begonnen werden.

Die Denkmalliste ist inzwischen 12 927 Nummern lang: 193 Neueintragungen kamen 2012 hinzu, an Löschungen wurden elf verfügt. Mit Blick auf die Personalentwicklung der Behörde, die seit 2009 eine rückläufige von 106 auf jetzt 80 Mitarbeiter ist und weiter rückläufig bleiben wird, soll das Eintragungsgeschäft künftig an die Herausgabe der Brandenburger "Denkmaltopographie" gekoppelt werden, die es 2012 mit der über den Landkreis Spree-Neiße auf zwölf Bände gebracht hat. Ebenfalls eine beachtliche Leistung, die aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass das Amt sich eine "flächendeckende Beratung" kaum mehr wird leisten können. (Von Frank Kallensee)

Märkische Allgemeine vom 24. Januar 2013

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