Kirche aus DDR-Zeiten wird saniert

Ratzdorf (MOZ) Ein neues Dach erhält die Kirche derzeit. Das Gotteshaus aus DDR-Zeiten wird von Grund auf saniert. Ende der 1950er-Jahre verwandelten engagierte Anwohner die Pfarrscheune in eine Kirche. Mehr als 200 000 Euro kostet die Sanierung.

 
Gespannte Blicke: Gemeindekirchenratsvorsitzende Eva-Marie Schulze (v.l.), Pfarrer Uwe Weise und Petra Kobalz, Bauverantwortliche beim Kirchenkreis, waren dabei, als der Knauf geöffnet wurde. © MOZ

Wo früher das Dach der Kirche war, ragen derzeit neue Holzbalken wie ein Gerippe empor. Der Dachstuhl des Gotteshauses wird erneuert. Deshalb wurde jüngst die Bekrönung, das Kreuz der Kirche samt dem darunter angebrachten Knauf, abgenommen. "Das Kreuz ist eine solide Schmiedearbeit. Es wird restauriert und vergoldet", sagte Uwe Weise, Pfarrer der evangelischen Gemeinde "Zum heiligen Kreuz" in Neuzelle. Der Knauf ist innen hohl und aus Kupfer gefertigt. Es stand an, das Geheimnis zu lüften, was darin verborgen liegt. Denn es gehört zum Brauchtum, beim Errichten einer Kirche darin Unterlagen oder andere Erinnerungsstücke einzulagern. "Es können zum Beispiel die am Bau beteiligten Gewerke oder die Kirchengemeinde etwas zufügen", erklärte der Pfarrer. Wenn man Büttenpapier nimmt und mit Feder oder Fineliner schreibt, so können die Dokumente in dem Knauf unbeschadet Jahrzehnte überstehen.

Als der Knauf geöffnet wurde, ist Uwe Weise nach Ratzdorf gekommen. Auch Petra Kobalz, Bauverantwortliche bei den Kirchenkreisen Fürstenwalde-Strausberg sowie Oder und Spree, waren auf Baustelle dabei, ebenso wie Eva-Marie Schulze, Kirchenratsvorsitzende der Gemeinde Wellmitz-Ratzdorf. Vorsichtig wurde der Kubus aufgeschnitten. Allerdings war nichts darin verborgen.

Möglicherweise habe es an den politischen Bedingungen gelegen, die zu DDR-Zeiten nicht günstig für einen Kirchenbau waren, das keine Kraft blieb für dieses Detail. "Ich kenne es nur aus Erzählungen, denn ich war ein Kind damals. Aber das Material muss sehr schwer zu beschaffen gewesen sein", sagte Eva-Marie Schulze. Denn das Gotteshaus in Ratzdorf ist zwar wenig prunkvoll, aber doch etwas ganz Besonderes. Es wurde in den Jahren 1957 und 1958 gebaut und ist damit eines der wenigen Gotteshäuser, die zu DDR-Zeiten entstanden sind. Aus der alten Pfarrscheune wurde mit Hilfe geschickter Planung eine schlichte Kirche.

Der damalige Pfarrer Karl Tiedeke hatte sich für die Gemeinde eingesetzt, alle Ereignisse in der Chronik festgehalten. Sein Engagement machte ihn verdächtig. Tatsächlich habe er eine Nacht im Gefängnis verbracht, weil ihm vorgeworfen wurde, Spenden für den Kirchenbau gesammelt zu haben, erzählte Uwe Weise. Der Bau war aufgrund vieler fleißiger Hände sowie Spenden vom "Gustav-Adolf-Werk" und der westdeutschen Partnergemeinde möglich gewesen.

In die Renovierung fließen rund 219 000 Euro, erläuterte Petra Kobalz. Davon stammen 138 000 Euro aus EU-Förderung, 34 000 Euro von der Kirchengemeinde, 25 000 vom Kirchenkreis Oder und Spree sowie 22 000 Euro von der Landeskirche Berlin/Brandenburg/Schlesische Oberlausitz. Zum Kirchweihjubiläum am 26. Mai soll die Kirche wieder eingeweiht werden, sagte Uwe Weise.

Warum keine Hinterlassenschaften in dem Knauf gelagert wurden, bleibt ein Geheimnis. Die Geschichte der Kirche wird aber in einer Ausstellung wieder sichtbar und für die Zukunft erhalten werden. Außerdem werden die Hochwassergeschichte sowie eine Darstellung des Kulturraumes an Oder und Neiße ausgestellt. Bereits seit fünf Jahren ist das Haus eine Radfahrerkirche. Nun wird es auch zur Ausstellungskirche ausgebaut.

Märkische Oderzeitung vom 26. Januar 2013

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