Viel Herzblut für die Dorfkirche

Die Haager sanieren den historischen Bau und beseitigen dabei auch gleich alte Kriegsschäden

HAAGE - Für Roland Selent steht fest: "Am 16. Juli soll die Kirchturmspitze auf jeden Fall wieder oben sein." Denn genau an diesem Tag vor drei Jahren schwebte sie am Kranhaken zur Erde, weil die Gefahr bestand, dass die schwere Holzkonstruktion bei Sturm herunterstürzt. Mittlerweile ist sie saniert und wartet neben dem Gotteshaus auf ihren Einsatz.

Doch bevor der Turm komplettiert werden kann, muss er selbst erst einmal erneuert werden. Ende April/Anfang Mai sollen die Arbeiten losgehen, wie Selent sagt, der im Auftrag des Gemeindekirchenrates die Bauarbeiten an der Kirche betreut. So wird der Sims etwa einen Meter abgetragen und teilweise mit den alten Steinen neu gemauert. Zudem werden die alten Holzbalken, die jetzt notdürftig von anderen Hölzern abgestützt werden müssen, ausgetauscht. Aber auch die Schäden an der Fassade, die von Granattreffern im Jahre 1945 sowie vom Einschlag eines Kugelblitzes 1962 herrühren, sollen verschwinden.

Doch der Kirchenbaubeauftragte Selent hat auch bis dahin gut zu tun. Denn derzeit läuft die Hüllensanierung des Kirchenschiffes. Das Dach ist schon fast wieder neu gedeckt, die Fassade erhält neuen Putz. "Es war allerhöchste Zeit", meint er. Denn die Latten unter den Ziegel hatten sich schon mit Wasser vollgesogen und die Dachsteine selbst, die aus DDR-Produktion stammten, zerbröselten bereits. Wasser drohte ins Schiff einzudringen, in dem ein zweistöckiger Kanzelaltar von 1720/30 steht.

Anfang Dezember konnte die Sanierung endlich beginnen. Besonders froh ist Roland Selent, dass es gelang, die Denkmalpflege vom Anbau einer Dachrinne zu überzeugen. Denn bisher lief das Wasser direkt zum Fundament. Feuchtigkeit stieg im Mauerwerk auf, zudem sah Selent mit Verweis auf Risse die Statik des Schiffes gefährdet. "Die Dachrinne war mir ganz wichtig", sagt der Haager, der seit Beginn der Baumaßnahmen mit viel Herzblut bei der Sache ist, wie ihm Karl-Heinz Lauenstein, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, bescheinigt.

Das Bauvorhaben ist für einen kleinen Ort wie Haage nicht nur groß, sondern es kostet auch viel Geld. Rund 240 000 Euro waren 2009 geschätzt worden. Immerhin gelang es nach Auskunft des Gemeindekirchenrates, rund 170 000 Euro an Fördermitteln zu erhalten, hinzu kommen private Spenden. "Wir haben das Geld zusammen, sonst hätten wir nicht angefangen", so Selent.

"Für den 16. Juli ist eine große Einweihungsfeier geplant mit dem ganzen Dorf", wie Lauenstein sagt. Bis dahin sollen auch der Weg von der Dorfstraße zur Kirche ge- pflastert und die neuen Parkplätze nahe der Straße fertiggestellt sein. Zudem will man das alte Ziffernblatt der Turmuhr restaurieren und das alte Läutewerk wieder in Gang setzen. Roland Selent hat aber noch einen ganz besonderen Wunsch: "Wir wollen als Sprengel Haage wieder eigenständig werden mit einem eigenen Pfarrer." Auch damit wenigstens alle zwei Wochen wieder Gottesdienste in Haage stattfinden können. Noch bis 2006 hatte man mit Martin Heinze einen eigenen Pfarrer und Seelsorger. (Von Andreas Kaatz)

Märkische Allgemeine vom 05. Februar 2013

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