"Ü-Eier" unterm Dach

Die Sanierung der Dahmer Marienkirche ist ein Großvorhaben, das immer noch Unwägbarkeiten hat

DAHME - Eine Auszeit mit Pfannkuchen gönnten sich zu Wochenbeginn die Architekten, Bauleute und Bauherr auf der Großbaustelle der Dahmer Marienkirche. Seit vor zwei Jahren die Verseuchung des Gotteshauses mit einer unerlaubt hohen Konzentration des Holzschutzmittels Hylotox festgestellt wurde, ist die größte Kirche der Stadt für jegliche Nutzung gesperrt (die MAZ berichtete). Es dauerte lange, um Fördertöpfe zu finden und ein Sanierungskonzept zu erstellen. 2,1 Millionen Euro werden für die Beseitigung des Gifts und die Instandsetzung von Kirchenschiff und Dächern veranschlagt.

Als sei den von der Denkmalpflege geforderten Rückbau der im Seitenschiff nachträglich installierten Winterkirche vorbereiteten, stießen die Bauleute eher zufällig auf die Schadstoffbelastung. Diese fand sich vor allem im Staub auf dem Foliendach, mit dem die Stahlkonstruktion vom übrigen Kirchenraum abgetrennt worden war. Dort also, wo in den zurückliegenden Jahren niemand habe sauber machen können, wie Pfarrer Carsten Rostalsky erläutert.

Mit der Sanierung beauftragt wurden die Architekten Axel Seemann aus Hoppegarten und Uwe Mücklausch aus Gossmar, die sich seit Jahren Kirchensanierungen auch in der Flämingregion widmen. Gotteshäuser mit einer derart hohen Schadstoffkonzentration sind dennoch die Ausnahme.

Auch die Erstellung des Finanzierungskonzeptes war keine leichte Aufgabe, da die verschiedenen Fördertöpfe immer nur für ganz bestimmte Teilabschnitte gelten und rechnerisch miteinander verzahnt werden müssen. Als Geldquellen erschlossen werden konnten das europäische Förderprogramm für ländliche Entwicklung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Stiftung Kirchenbauten, die Stadt und das Amt Dahme, die evangelische Landeskirche und der Kirchenkreis. "Die verrät auch die Wertschätzung, die dem Projekt entgegengebracht wird", sagt Bauherr Carsten Rostalsky.

Als Anfang Dezember die Gerüstbauer anrückten, war die Freude groß, dass das Improvisieren beim Organisieren von Gottesdiensten und anderen, kirchlichen Veranstaltungen nun bald ein Ende haben wird. Dass alleine der Aufbau des Gerüstes im Außen- und Innenbereich fast zwei Monate dauerte, ist ein weiteres Indiz für die Größe der Herausforderung. "Mehr als vier Kilometer beträgt die Länge der verbauten Rüstungsteile", berichtet der Pfarrer beeindruckt. Dass das Gerüst im Außenbereich stark in die Breite geht, ist dem Umstand geschuldet, dass es über die Tragfähigkeit des Bodens keine verlässlichen Angaben gibt. Mitte Januar begannen die Dachdecker unter Vollschutz und Atemmasken mit dem Abnehmen der Dachsteine und dem Herausnehmen der Dachlatten, die in diesem Fall als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Ein beeindruckendes Bauwerk ist die Gerüstplattform die sich in knapp acht Metern Höhe im Inneren des Gotteshauses befindet und 250 Quadratmeter misst. Zimmerer sind derzeit dabei, das Plateau mit Folie auszukleiden und einer luftdichten Holzabdeckung zu versehen. Ziel dieser aufwendigen Vorbereitungsarbeiten ist, dass beim Abschlagen des Innenputzes von der tonnenförmigen Dachkonstruktion nichts in den Innenraum eindringt. Auch diese Arbeiten, mit denen bereits in diesen Tagen begonnen werden kann, müssen im Interesse der Bauleute unter Vollschutz erfolgen.

Wie stark die Schädigungen im Bereich der Dachgauben und des umlaufenden Gesimses sind, haben Mücklausch und Seemann erst nach Fertigstellung der Gerüstplattform mit Entsetzen feststellen können. Dass beim späteren Aufnehmen der Dächer in den Nebenbereichen weitere Überraschungen auftauchen, ist so gut wie sicher. "Das sind dann unsere kleinen Ü-Eier", sagt der Bauherr scherzhaft.

Wenn alles gut geht, kann im Herbst mit dem Neuverputzen der Decke begonnen werden. Frühestens Ende 2014, möglicherweise auch erst Anfang 2015 wird das Gotteshaus wieder nutzbar sein. (Von Uwe Klemens)

Märkische Allgemeine vom 15. Februar 2013

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