Bewegung an der Wallfahrtsstrecke

Netzwerktreffen führte Akteure rund um Wilsnacker Pilgerweg nach Wusterhausen

WUSTERHAUSEN - Nachdem vor mehr als 500 Jahren tausende Menschen zum Heiligen Blut nach Bad Wilsnack pilgerten, dem damals drittgrößten Wallfahrtsziel Europas, lassen sich auch heute wieder kleine Anekdoten erzählen: "Das Rathaus war schon zu. Da sitzen im Frühsommer 2012 fast 40 junge Christen auf dem Marktplatz. Und als ich mich als Bürgermeister zu erkennen gebe und verrate, dass wir auch Pilgerstempel haben, war ich erstmal gut beschäftigt." Roman Blank, der am Sonnabend die Akteure rund um den Pilgerweg nach Bad Wilsnack zum nunmehr 6. Netzwerktreffen im Alten Laden des Wegemuseums in Wusterhausen (Dosse) begrüßte, hatte damals mehr als eine halbe Stunde lang nur noch gestempelt.

Es mache sich also bemerkbar, dass immer mehr Pilger durch die Region ziehen, seitdem die Strecke von Berlin aus 1988 wiederentdeckt und ab 2005 reaktiviert wurde. Aufgabe sei es nun, ihnen klarzumachen, dass nicht allein das Ziel Bad Wilsnack schön ist, sondern auch der Weg als Ziel und dass es sich zu rasten lohnt. So erklärte auch Martina Richter vom einladenden Förderverein der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche den Sinn des alljährlichen Treffens: "Einerseits, um Kontakt zu halten, aber auch, um uns auf den neuesten Stand zu bringen." Es gebe hin und wieder Veränderungen rund um die mehr als zwei Dutzend Stationen für Unterkunft, Rast oder Sehenswertes.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Strecke im 2013er Heft "Offene Kirchen" des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, in dem diesmal Pilgerwege Schwerpunktthema sind. Es erscheint vor Ostern, wie Susanne Gloger vom Förderkreis berichtete, und enthält einen Beitrag Martina Richters über Barsikow (Ostprignitz-Ruppin) und das dort laut Gloger "spektakuläre Domizil".

Gloger, die sich um den Erhalt der Kirche in ihrem Heimatdorf Bölzke bei Pritzwalk verdient machte, kann sich vorstellen, den dort bis Heiligengrabe führenden "Annenpfad" bald mit der Bad Wilsnacker Strecke zu verbinden. Denn auch Gloger sagt, die Pilger haben "rapide zugenommen". Bis zu 70 zählte sie voriges Jahr auf dem erst neu ausgewiesenen Weg selbst bei Schnee im Winter.

Und auch die Forschung ruht nicht. Das bewies in Wusterhausen der Vortrag "Jungfrauen, Engel, Phallustiere" zum Thema Pilgerreichen. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 19. Februar 2013

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