Schwamm zerstört Balken

Schönerlinde (SB) Die Schäden am Turm der Dorfkirche Schönerlinde sind viel größer als angenommen. Erst im Laufe der Sanierungsarbeiten wurde das ganze Ausmaß sichtbar. Inzwischen haben sich die ursprünglich veranschlagten Baukosten von 60 000 Euro auf 96 000 Euro erhöht.

 
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© Micha Winkler Berlin
Beim Sägen: Zimmermann Robert Blockus kürzt den Verbindungsbolzen, mit dem er den Holzbalken befestigt hat © Micha Winkler Berlin

Seit Wochen dringen Baugeräusche aus der Schönerlinder Dorfkirche. Es rauscht und dröhnt und manchmal wird auch kräftig gehämmert. Zimmermann Olaf Blockus und sein Sohn Robert machen sich an dem uralten Gebälk zu schaffen. Sie tragen schneeweiße Schutzanzüge und haben auch vor den Mund weiße Tücher gebunden. "Das ist unbedingt notwendig, schließlich müssen wir schädlichen Schwamm auf allen vier Ebenen der Holzkonstruktion des Kirchenturms beseitigen", sagt Blockus, der zur Firma Tuffner Holzbau aus Stahnsdorf gehört.

Seit Dezember vergangenen Jahres werden die beiden unteren Turmebenen behandelt: das Mauerwerk aufgebrochen, Balken freigelegt und Balkenköpfe freigestämmt. Und das, was die Bauarbeiter dabei zu sehen bekommen, ist schockierend: "Schwamm hat sich über die vielen Jahre durch das Material gefressen, es porös gemacht und sehr stark beschädigt", erklärt Zimmermann Olaf Blockus.

An vielen Stellen muss deshalb ausgebessert werden. Dunkle, über hundert Jahre alte Eichenbalken haben jetzt junge, helle "Köpfe" bekommen, die bis ins Mauerwerk reichen. An einigen Stellen tragen inzwischen auch komplett neue Hölzer die Last.

"Die Handwerker sprachen von einem Wunder, dass der beschädigte Glockenstuhl nicht schon herabgefallen ist", erzählt Pfarrer Berchner. In den nächsten Wochen wird also der Glockenstuhl neu abgestützt, im Mauerwerk verankert und schadhaftes Holz entfernt. Die Wände werden dabei, soweit es erforderlich ist, ausgekratzt und erneuert. Anschließend soll das Mauerwerk praktisch gegen neuen Schimmelbefall "geimpft" werden.

Was in diesen Tagen in dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Gotteshaus passiert, ist praktisch die Fortsetzung einer vor zwei Jahren begonnen "Operation". Damals wurde mit den oberen Ebenen begonnen. Die Kommune Wandlitz, der Kirchenkreis und die Kirchengemeinde finanzieren das umfangreiche Projekt. "Doch aufgrund der viel größeren Schäden brauchen wir auch viel mehr Geld als ursprünglich geplant", berichtet der Pfarrer. Und eigentlich müsste an dem Denkmal noch viel mehr gemacht werden, aber jetzt konzentrieren sich die Arbeiten erst einmal auf die historische Balkenkonstruktion.

Jörg Berchner wünscht sich von ganzem Herzen, "dass zu Ostern eine Wiedereinweihung gefeiert werden kann". Bis dahin finden die Schönerlinder Gottesdienste im Gemeindehaus statt. Auch die 117 Gemeindemitglieder beteiligen sich an der Finanzierung des Reparatur-Projektes. Sie spenden Geld oder organisieren beispielsweise verschiedene Basare.

Die aufwendigen Arbeiten erfolgen natürlich in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde des Landes und der Kirche. "Da muss auch noch vieles geklärt werden. Ich gehe aber davon aus, dass wir immer eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten Leben können", sagt Berchner. Selbst entscheiden wird die Gemeinde über die künftige Präsentation einiger Fundsachen im geschichtsträchtigen Bau: So existiert noch Gestühl aus längst vergangener Zeit - das sind Reste von Kirchenbänken. Auch eine Orgelpfeife, die bestimmt hundert Jahre auf dem Buckel hat, gibt es noch. Die beiden Zimmermänner haben zudem ein paar mittelalterliche Türen entdeckt und sie ordentlich gestapelt. "Diese Sachen stellen wir vielleicht neben die Ausstellung zur Geschichte des Gotteshauses.

Die Historie der Feldsteinkirche ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich. In ihrem Grundbestand wurde der Bau etwa Mitte des 13. Jahrhunderts von Mönchen des Zisterzienser Klosters Lehnin errichtet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielt sie eine barocke Turmhaube. Ende des 19. Jahrhunderts gab es dann abermals erhebliche Veränderungen. Aus dieser Zeit stammen die offenen Dachstühle, ebenso die ornamentale Wandmalerei. Seit der Wende wurden Sanierungarbeiten weiter geführt.

Spenden für die Kirche sind unter der Kontonummer 783480 bei der BKD Bank, BLZ 21060237 möglich.

Märkische Oderzeitung vom 19. Februar 2013

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