Chance auf Denkmalfonds steigt

Potsdam (MOZ) Seit den 90er-Jahren wird darum gerungen: Ein Denkmalfonds zur Rettung gefährdeter Bauten und Kunstwerke. Nun scheint der Durchbruch geschafft zu sein. Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) kündigte an, ein Stiftungsgesetz vorzubereiten. Die Finanzierung wird jedoch eine heikle Aufgabe.

 
Ein restaurierter Taufengel schwebt in der Kirche von Niebendorf. © picture alliance / ZB

Der ehemalige Landeskonservator Detlef Karg, der im vergangenen Jahr in Pension ging, hatte jahrelang für die Idee eines Denkmalfonds in Potsdam Klinken geputzt. Auf interessierte Zuhörer traf er oft, Unterstützer, wenn es ums Geld, fand er nicht. Vor zehn Jahren wurde noch von 20 Millionen Euro Stiftungskapital gesprochen, heute werden wesentlich kleinere Brötchen gebacken.

Die Notwendigkeit eines solchen Fonds lässt sich im jüngsten Bericht des Kulturministeriums nachlesen. Dort werden die Summen aufgeführt, die in die ehemaligen preußischen Schlösser, in die Gedenkstätten oder das Stift Neuzelle fließen. Außerdem helfen Bund und Land bei der Erhaltung national bedeutender Bauwerke wie dem Zisterzienserkloster in Mühlberg oder der Klosterkirche in Zinna und der ehemaligen Eisenhütte in Peitz.

Von 2005 bis 2010 wurden vom Kulturministerium jährlich noch 400000 Euro eingesetzt, um Privatpersonen zu unterstützen, die ihre Häuser denkmalgerecht sanieren wollten oder aber um gefährdete Gebäude zu sichern. Letzteres ist aus EU-Töpfen nur möglich, wenn eine künftige Nutzung sichergestellt ist. Die schlichte Rettung eines leerstehenden, einsturzgefährdeten Denkmals war nur über die 400 000 Euro möglich. Der Haushaltstopf wurde jedoch seit 2011 gestrichen.

Im Landtag herrschte seit langem Einigkeit, dass ein Landesfonds für solche Fälle notwendig ist. Darüber hinaus gilt es auch, Geld für bedrohte Bodendenkmale bereit zustellen. Zurzeit wird nur dort gegraben und gesichert, wo es einen Flächennutzer gibt, der dies bezahlten muss.

Kulturministerin Kunst kündigte am Mittwoch im zuständigen Landtagsausschuss an, dass ab sofort eine Arbeitsgruppe verschiedener Ministerien und des Landesdenkmalamtes daran geht, ein entsprechendes Stiftungsgesetz vorzubereiten. Ziel sei es, die bisherigen Lücken in der Denkmalförderung zu schließen. Die Ministerin nannte die Rettung von Gebäuden und Bodendenkmalen, die Unterstützung privater Initiativen und die kulturelle Bildung auf diesem Gebiet als Aufgaben.

Landeskonservator Thomas Drachenberg erklärte, dass man jährlich ein bis zwei Millionen Euro einsetzen müsse. Da dies bei den aktuell niedrigen Zinsen nur mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag zu schaffen wäre, denkt man im Ministerium über eine Mischfinanzierung nach: Ein kleiner Millionenbetrag als Stiftungsgrundstock und eine allmählich weitere Zuführung von Kapital, jährliche Landeszuweisungen für laufende Projekte und die Einwerbung von Spenden sowohl für die aktuelle Arbeit als auch für das Stiftungskapital.

Drachenberg verwies auf die Aktion zur Rettung von 20 Taufengeln in brandenburgischen Kirchen. Dafür seien 60000 Euro gesammelt worden. Der Landeskonservator betonte, dass es gerade in den Kirchen noch viele wertvolle Altäre und Wandmalereien gebe, "die seit 20 Jahren vor sich hin gammeln".

Wann die Stiftung gegründet wird, konnte Kunst nicht sagen. Franz Schopper, Direktor des Landesdenkmalamtes, freute sich trotzdem. "So nah dran waren wir noch nie", konstatierte er. Und darüber hinaus gab es im Ausschuss von keiner Fraktion Kritik an dem Vorhaben.

Märkische Oderzeitung vom 20. Februar 2013

   Zur Artikelübersicht