Nur noch jede zehnte Kirche ist marode

Erfolgreiche Rettungsaktionen für Brandenburgs Gotteshäuser

Die Kirche in Rieben (Potsdam-Mittelmark) ist ein Schmuckstück.
Foto: Johanna Bergmann

POTSDAM - Der Bauzustand der Brandenburger Kirchen hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verbessert. "Nur noch 200 der insgesamt 2000 Gotteshäuser im Land sind heute in einem bedenklichen Zustand, zahlreiche Gebäude konnten in letzter Minute gerettet werden", sagt der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge.

Von den 2000 märkischen Kirchen, von denen viele das Ortsbild prägen, sind 1500 Dorfkirchen. Noch 1995 galten 800 davon als bestandsgefährdet und der Gesamtreparaturbedarf wurde mit 750 Millionen Euro beziffert. "Seit 1990 konnten 1000 Kirchen teil- oder komplettsaniert worden", sagt Matthias Hoffmann-Tauschwitz, der das Kirchliche Bauamt leitet. "Mehr als 450 Millionen Euro wurden investiert."

Das Geld habe die Landeskirche zusammen mit den Kommunen, Landkreisen, der Europäischen Union, den Kirchenkreisen und -gemeinden sowie mit Kirchbauvereinen aufgebracht. Vor allem aber sei das Land Brandenburg ein "stets verlässlicher Partner" gewesen. Nicht einmal 20 Kirchen hätten bisher aufgegeben werden müssen, weniger als zehn seien verschwunden.

Unterstützt wurde die Kirche zudem durch Stiftungen, Fördervereine und viele Spender. Bernd Janowski, Geschäftsführer des 1990 gegründeten und inzwischen 553 Mitglieder zählenden Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, erklärt das Bürgerengagement so: "Nach 1989 haben sich die Dorfstrukturen grundlegend verändert. Mit dem Ende der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften verloren viele ihren Arbeitsplatz und wanderten ab. Danach schlossen Läden, Post-Filialen und Schulen. Übrig blieben lediglich die Kirchen als Kristallisationspunkte." Deshalb würden sich inzwischen allenthalben auch Nichtchristen dafür einsetzen, dass ihre Kirche im Dorf bleibt. Jedes zweite Fördervereinsmitglied, schätzt Janowski, sei konfessionslos.

Allerdings bleibe aber auch noch viel zu tun, fügt Janowski hinzu. Speziell was die Ausstattung der Kirchen betreffe, drohe weiter "der Verlust von einmaligen Kunstwerken". Angesichts der demografischen Entwicklung stelle sich zudem die Frage, wer die baulich wiederhergestellten Kirchen künftig noch nutzen soll.

Bischof Dröge zeigt sich trotz des immer noch bestehenden großen Sanierungsbedarfs zuversichtlich: "Wenn staatliche und private Zuwendungen weiter fließen wie bisher, dann werden noch weitere Kirchen gerettet werden können." (Von Frank Kallensee)

Märkische Allgemeine vom 18. März 2013

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