Die Kirche im Dorf mit Leben erfüllen

Kreissynode Niederlausitz diskutiert neue Wege / Jede Kirchengemeinde gefordert

Pfarrer Carsten Schwarz von den Missionarischen Diensten der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (l.) veranschaulichte, wie das gemeinsame Bedürfnis, ihren Glauben zu leben, Menschen mit unterschiedlichem persönlichen Hintergrund zusammenführt.
Foto: Keilbach/bkh1

Fürstlich Drehna Auch wenn die Kirchen in den Dörfern nur noch wenige Male im Jahr für den Gottesdienst genutzt werden für die christliche und darüber hinaus die dörfliche Gemeinschaft sind sie unverzichtbar. Das wurde auf der Frühjahrssynode des Kirchenkreises Niederlausitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) am Samstag in Fürstlich Drehna deutlich.

Ausführlich diskutierten die Synodalen gemeinsam und in regionalen Gesprächskreisen neue und praktikable Wege, die christliche Gemeinschaft zu erhalten und zu stärken. Diese Aufgabe stellt sich vor allem jeder Kirchengemeinde in den Dörfern selbst, kristallisierte sich als Kern heraus. Wie es möglich ist, verdeutlichten Beispiele aus der Region.

Wichtigste Voraussetzung für ein lebendiges Gemeindeleben sei es, dass es den Christen eine Herzensangelegenheit sein muss, Gott in ihrer Mitte zu feiern, stellte Pfarrer Carsten Schwarz vom Missionarischen Dienst der EKBO heraus. Nur dann ließen sich Projekte wie Gottesdienste ohne Pfarrer in Eigenregie der jeweiligen Gemeinde auch realisieren. Pfarrer hätten eine zunehmende Zahl an Pfarrsprengeln und Gemeinden zu betreuen. Als nicht sinnvoll habe sich herausgestellt, die Gottesdienste zu zentralisieren.

Kirchen werden gepflegt

Tatsache ist, dass die Kirchen in den Dörfern liebevoll gepflegt und saniert werden, um sie zu erhalten. "Wir lieben unsere Kirchen sehr. Lasst uns doch unsere Gottesdienste auch so feiern", rief der Altdöberner Pfarrer Stephan Magirius auf. Es gehe darum, die Menschen zu ermutigen, die Gottesdienste selbstständig in ihrer Kirche zu feiern, erläuterte er. Praktiziert worden sei dies im vergangenen Herbst in seinem Verantwortungsbereich als Projekt "Gemeinsam unterwegs". Die zuvor ausgearbeitete Liturgie werde einmal im Monat in den Kirchen von den Gemeindegliedern als Gottesdienst gehalten. In sechs Dorfkirchen habe dies stattgefunden. "Vier zusätzliche Gottesdienste gab es dadurch", resümierte der Pfarrer. Nicht überall sei die Resonanz positiv gewesen. Gelohnt habe es sich dennoch. "Die Menschen haben ausprobiert, diese Möglichkeit für sich zu entdecken", bilanzierte Stephan Magirius.

Ohne Pfarrer selbst erhalten

In Goßmar hat sich die Kirchengemeinde auch ohne Pfarrer selbst erhalten. Auf sich allein gestellt, hätten die Christen einen Chor gegründet und das Gemeindeleben organisiert. "Das hat uns gestärkt", sagte Anja-Müller König in der Gesprächsrunde der Luckauer Region. Die Kirche im Dorf aufgeben? Nein. Die Vertrautheit und persönliche Nähe seien unabdingbar für die Gemeinschaft, resümierte sie.

Den persönlichen Kontakt sieht auch Pfarrer Thomas Jaeger aus Neu Zauche als eine Möglichkeit, wieder mehr Menschen ins Gemeindeleben einzubeziehen. "Warum nicht mal den Nachbarn fragen: Kommst Du mit?", regte er an. Barbara Hackenschmidt aus Finsterwalde brachte als einen Aspekt ein, dass es auch wichtig ist, Traditionen zu lernen, insbesondere für Jüngere. "Wenn ich ihn nicht kenne, kann ich nicht nach dem Anker greifen, wenn ich Beistand einmal brauche", setzte sie dies ins Bild.

Wie Gemeinschaft erlebbar wird

Gemeinschaft wird im Kirchenkreis zudem erlebbar durch größere Veranstaltungen für eine breite Öffentlichkeit, wie Regionalgottesdienste zu besonderen Feiertagen, die in Luckau zu Himmelfahrt und am Reformationstag auch viele Nichtchristen einbezogen. Sternfahrten, Pilgern von Kirche zu Kirche in der Region Sonnewalde, Familienprojekte und weitere Aktionen finden bereits statt.

Durch Einbindung der Kirchengemeinde in Höhepunkte der Dorfgemeinschaft und umgekehrt kann diese auf eben jene ausstrahlen. Netzwerke über die eigene Gemeinde und den Pfarrsprengel hinaus zu knüpfen, ist für die Christen im ländlichen Raum ganz besonders wichtig, um Erfahrungen auszutauschen. Diese Schlussfolgerung zogen die Synodalen am Samstag aus den Diskussionsrunden übereinstimmend.

Birgit Keilbach / bkh1

Lausitzer Rundschau vom 18. März 2013

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