Gotteshaus wird saniert

Grünheide (MOZ) Nachdem die Denkmalpflege grünes Licht für die Innensanierung der Grünheider Kirche "Zum guten Hirten" gegeben hat, kann das aufwendige Projekt nun starten. 120 000 Euro stehen für Heizung, Fußboden und Gestühl bereit.

Großbaustelle: Torsten Jaß (rechts), Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, und Berater André Eichelbaum in der auf Sand gebauten Grünheider Kirche.
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Die evangelische Kirche in Grünheide gleicht einem hohlen Körper. Jetzt, da sowohl Andreas von Scheven vom Landesamt für Denkmalpflege als auch Heidi Arndt von der Unteren Denkmalpflege in Oder-Spree das Gotteshaus auf dem Kellerberg noch einmal in Augenschein genommen und den Rahmen für die Erneuerung vorgegeben haben, kann die Innensanierung beginnen.

Sofort hat eine Berliner Tischlerei das Gestühl heraus geholt. Fleißige Helfer aus der Kirchengemeinde haben inzwischen mit den weiteren Vorarbeiten begonnen. Der Fußboden musste aufgenommen werden. Unter dem Linoleum im Gang zwischen den Stuhlreihen trat der Originalfußboden aus quadratischen Ziegelsteinen zu Tage. Er war lediglich auf einer Schicht Ausgleichsmasse verlegt. Auch unter den Dielen - auf denen das Gestühl stand und die jetzt an eine Seitenwand gelehnt geparkt sind - war Ziegelstein-Boden verborgen.

Als alle Quader aufgenommen waren, sei klar geworden: Die Kirche "Zum guten Hirten" wurde vor rund 121 Jahren offenbar schlichtweg in den märkischen Sand gesetzt, schmunzelt Torsten Jaß, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Eine Bodenplatte sei nicht zum Vorschein gekommen, nur Holzbalken, die als Rahmen für die Pflasterung dienen.

Die Steine hätte die Gemeinde am liebsten wiederverwendet. Da haben Baufachleute jedoch Bedenken angemeldet, ob das mit der geplanten Fußbodenheizung funktioniert. Deshalb sollen am Sonnabend Vormittag die in der Kirche gestapelten Steine von Mitgliedern der Kirchengemeinde erst einmal in den Pfarrgarten getragen werden. Diese Aktion ist sinnbildlich für die Philosophie, die hinter der Sanierung steckt. Um Kosten zu sparen, soll so viel wie möglich aus eigener Kraft heraus realisiert werden.

Zum derzeitigen Bauabschnitt gehören neben der Fußboden- und der Sockelheizung ein neuer Fußboden und das erwähnte Aufarbeiten der Bankreihen. "Die ersten zwei werden übrigens nicht fest verankert, damit der Platz vor dem Altar zum Beispiel für größerer Konzerte erweitert werden kann", erläutert Jaß. Auch die Schränke aus der Küsterei warten darauf, in Ordnung gebracht zu werden.

Spannend wird es, wenn die neue Farbgebung für das Gestühl festgelegt wird. Bisher konnte sich die Kirchengemeinde noch nicht einigen. Eine Mehrzahl tendiert offenbar dazu, nicht den ursprünglichen, recht dunkel gehaltenen Zustand wieder herzustellen. Die Entscheidung ist Teil des endgültigen Gestaltungskonzeptes, das im nächsten Bauabschnitt - die Sanierung der Empore, die Renovierung und die technische Ausstattung mit Licht und Ton - von großer Bedeutung ist.

Dann stellt sich zudem die Frage, ob die Bibelzitate an der Empore erhalten bleiben. "Wir müssen zeitgemäß denken - welcher junge Mensch kann noch altdeutsch lesen", warnt Jaß. Bei der Entscheidung wird der Rat auch von dem Grünheider André Eichelbaum beraten - neben den beauftragten Fachleuten hilft er ehrenamtlich mit.

Märkische Oderzeitung vom 22. März 2013

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