Ein liebreizender Blickfang

Die Wusterwitzer Dorfkirche hat nach langer Zeit wieder einen Altar

WUSTERWITZ - Nach vermutlich 350 altarlosen Jahren steht in der Apsis der im 12. Jahrhundert errichteten Wusterwitzer Kirche nun eine Dauerleihgabe des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg. Während der Ostergottesdienste wird das um 1470 entstandene Schnitzwerk mit der von acht Heiligen umgebenen Jungfrau Maria mit Kind im kalten Gotteshaus sicher die Herzen der Besucher erwärmen.

"Durch den Altar in der Rundung der Apsis erfährt diese historisch wertvolle Kirche eine schöne Abrundung", findet IHK-Präsident Victor Stimming, der ihn mit Pfarrer Siegfried Lück und Architektin Heidrun Fleege bereits gestern in Augenschein nahm. In der Werkstatt des Berliner Restaurators Dirk Jacob war der gotische Altar, der einst in der Gollwitzer Kirche bei Warchau stand und über einige Umwege ins Museumsdepot kam, seit 2011 restauriert und in der vorigen Woche aufgebaut worden. Vom Verbleib des Wusterwitzer Altars ist nichts bekannt. Selbst in den bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückgehenden Kirchenbüchern ist Lück zufolge nichts über ihn verzeichnet.

Dass die Dauerleihgabe in neuem Glanz erstrahlt, ist einer noblen Geste von Stimming zu verdanken. Der Wusterwitzer hatte vor zwei Jahren zu seinem 60. auf Geschenke verzichtet und zur Spendenaktion aufgerufen, bei der 13 000 Euro zusammenkamen. Die Kirchengemeinde legte weitere 7400 Euro darauf, so dass das Schnitzwerk konserviert, transportfähig, repariert und farblich fast vollständig überfasst werden konnte. In der Gollwitzer Kirche war es überflüssig geworden, als man sich damals etwas Barockes leistete. Später weilte der Altar im Heimatmuseum Genthin, dann im Kreismuseum Burg bevor er Mitte der 1970er nach Magdeburg kam, wo er als Fundus im zu trockenen Keller stand.

Vier der zwölf Figuren, bei denen es sich laut Lück vermutlich um Apostel und Evangelisten handelt, sind verschwunden. "Man hätte die verbliebenen Figuren auch wieder mittig stellen können, aber in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt fanden wir es ehrlicher, die Fehlstellen zu zeigen", erklärte Fleege. Es bestehe jederzeit die Möglichkeit, sie zu ergänzen. Damit der auf einer Erhöhung stehende 1,20 Meter hohe und mit ausgeklappten Flügeln 2,20 breite Altar besser zur Geltung kommt, hatte man sich anders als 1903 für eine neutrale Ausmalung der Apsis entschieden. Lück kann sich im geistigen Auge noch das eingelagerte originale Metallkruzifix vorstellen. "Dann wäre alles stimmig." (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine vom 28. März 2013

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