Himmlisch gebettet

Vorbild Barsikow: Pilgerherberge nun auch in einem Kyritzer Kirchturm

KYRITZ - Wohnen wie Gott in Frankreich, nein, so nobel will und muss es nicht jeder haben. Und doch ist die seit diesem Osterwochenende geöffnete neue Pilgerherberge im Turm der Kyritzer katholischen Kirche "Heilig Geist" in der Hagenstraße einem besseren Hotelzimmer ebenbürtig.

Zwei getrennte Schlafräume gibt es mit jeweils drei nagelneuen Holzbetten. Auf jedem Beistelltisch liegt eine Bibel. Die Wand ziert ein Kruzifix. Eine voll ausgestattete moderne Küche, ein weiß gefliestes Bad und ein Aufenthaltsraum können mitgenutzt werden. Fernseher und Radio gibt es nicht. In einer Ecke steht ein betagtes Harmonium.

"Für den Kauf der Betten hatte sich der Vorstand erweichen lassen", sagt Pfarrer Markus Hahn. "Wir wollen den Pilgern ja helfen, die auf dem Weg sind, meistens ja auch, um über sich nachzudenken und über Gott. Und wer, wenn nicht wir als Kirche?"

Die Idee dazu guckten sich die Kyritzer allerdings ab, und zwar von den Barsikowern. Dort wurde vor genau einem Jahr ebenso ein Pilgerquartier im Kirchturm geschaffen.

So immens wie dort war der Aufwand in Kyritz nicht. Schließlich wurden die Räume längst als Wohnung genutzt. Sie standen zuletzt jedoch jahrelang leer.

Der Turm und auch die Empore mit der Orgel sind nur von einer außerhalb des Kirchenschiffs liegenden Tür zugänglich. Es geht eine steinerne Wendeltreppe hinauf bis zur Tür mit dem Schild "Küster". Es war Paul Labetzki, der dort lebte und zugleich Hausmeister, Religionslehrer und Organist war. Von seiner Wohnung aus konnte er mittels Seil die Glocken darüber läuten. Mittlerweile geschieht das täglich 12 und 18 Uhr automatisch. "Pilger wird das nicht stören", sagt Pfarrer Hahn und lässt den Blick durchs Fenster über Kyritzer Dächer bis zur Stadtkirche schweifen.

Die Übernachtung kostet zehn Euro ohne Frühstück. Geöffnet ist die Herberge von Ostern bis Allerheiligen, 1. November. Anmeldung ist erforderlich über E-Mail (heiliggeistkyritz@online.de) oder 03 39 71/ 5 42 35. (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 30. März 2013

   Zur Artikelübersicht