Durch verschneite Prignitz gepilgert

43 Teilnehmer beim diesjährigen Anpilgern legten bei winterlicher Kälte zügiges Tempo vor

ALT KRÜSSOW - Wenn der kalte Wind von vorne bläst, so wie zwischen Kilometer eins und zwei, ist es unangenehm. Vielleicht war dies der Grund, warum am Gründonnerstag die ersten Pilger des Jahres 2013 gleich hinter Alt Krüssow so ein Tempo vorgelegt haben. Dort führt der Annenpfad entlang der Bahnlinie am Rande eines Ackers, dort schützen weder Baum noch Strauch vor der steifen Brise. Wenigstens der Untergrund ist gut, eigens fürs Anpilgern wurden die hoffentlich letzten Schneewehen dieses Winters geglättet.

Kurz nach 10 Uhr, nach einer kurzen Andacht von Pfarrer Mario Friedrich, der Begrüßung durch den stellvertretenden Bürgermeister von Pritzwalk Ronald Thiel und den Heiligengraber Bürgermeisters Holger Kippenhahn sowie dem Segen für die Teilnehmer begaben sich 43 Pilger und zwei Hunde ins knapp sechs Kilometer entfernte Bölzke.

Den ersten windigen Abschnitt absolvierten die meisten Teilnehmer des Anpilgerns in weniger als einer halben Stunde. Hinter Kilometer zwei beginnt ein richtig schöner Weg, der ganz sicher in den kommenden Wochen, wenn die Bäume erst einmal grün geworden sind, seinen ganz eigenen Zauber entfaltet. Von einer etwas höher gelegenen Stelle kam es einem so vor, als liefen die Pilger vor einem wie auf einer lang gezogenen Ameisenstraße. Alte Bäume, die glücklicherweise vor arbeitswütigen Kettensägen noch verschont geblieben sind, stehen am Wegesrand knorrige Kopfweiden, alte Eichen, allerlei verschiedenes Gebüsch. Wenn man nicht gerade in eine Unterhaltung vertieft ist, überlegt man automatisch, wie es wohl erst sein wird, wenn in den Zweigen die Vögel umherhüpfen. Ein kurzes Waldstück schließt sich an und bei Kilometer 3,3, also etwa eine dreiviertel Stunde nach dem Start, überquert man die Bundesstraße 189, um gleich dahinter wieder in einen Wald einzutauchen. Bis Bölzke sind es von der B 189 noch etwa zweieinhalb Kilometer, die je etwa zur Hälfte durch einen Wald und auf einem Feldweg entlang passiert werden.

Die erste Etappe war nach etwa 70 Minuten geschafft. Im Bölzker Dorfgemeinschaftshaus gleich neben der Kirche wurden die Pilger mit wohlschmeckender Kartoffelsuppe bewirtet. Vorher oder nachher nutzten sie die Gelegenheit, sich in dem sanierten Gotteshaus umzuschauen. Denn dort ist eine Ausstellung über das Pilgerwesen zu sehen.

Etwa 75 Minuten braucht man bei recht zügigem Schritt für den zweiten Abschnitt des Pilgerweges von Bölzke nach Heiligengrabe. Der führt immer geradeaus über den sogenannten Stiftshauptmannsweg. Dieser ist auf einigen kurzen Streckenabschnitten etwas schwer zu begehen. Aber wer sich entschließt, einen Pfad entlang zu pilgern, nimmt schließlich auch weniger komfortable Streckenabschnitte in Kauf.

Wieder geht es durch das große Waldgebiet und an Waldkanten beziehungsweise über Feldwege zum Ziel der zweiten Etappe. Einige markante alte Bäume fallen auf. Unterwegs gibt es auch an zwei Stellen Rastplätze, die freilich wegen des Wetters nicht genutzt wurden.

Im Kloster Stift zum Heiligengrabe wurde im Wohnhaus an der alten Brennerei gerastet. Kaffee und Kuchen waren vorbereitet. Wie schon in der Kirche in Bölzke wurden die Annenpfad-Flyer der Teilnehmer mit einem Stempel versehen.

Für einige Pilger war an dieser Stelle Schluss für diesen Tag. Denn die restlichen knapp zehn Kilometer zurück zur Wallfahrtskirche Alt Krüssow waren mit Sicherheit die schwierigsten. Auf dem Feldweg hinter Wilmersdorf hatte sich tags zuvor der Traktor festgefahren, der eigentlich den Weg für die Pilger etwas ebnen sollte. Dennoch hatten sich von den 43 gestarteten Teilnehmern des diesjährigen Anpilgerns deutlich mehr als 30 entschieden, trotz müder Beine auch noch den letzten Abschnitt entlang zu gehen.

Wer bei der Eröffnung des Annenpfades am Gründonnerstag vor zwei Jahren mit dabei war, erinnerte sich vielleicht an das schöne Wetter und die erwachende Natur. Damals fiel Ostern aufs vorletzte April-Wochenende.

Viele Pilger hätten sich schöneres Wetter gewünscht. Aber wenigstens war ab und zu doch die Sonne hervorgekommen. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 02. April 2013

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