Die Orgel ist wieder in Ordnung

Instrument der Kolonistenkirche ist restauriert

GROSSDERSCHAU - Zum Beginn eines festlichen Gottesdienstes am Sonntag in der Kolonistenkirche sangen die Besucher "Morgenlicht erleuchtet". Marianne Spitzner begleitete sie auf der Orgel. Ein von vielen Großderschauern lang herbeigesehnter Augenblick. Nach über 30 Jahren konnte die Orgel das erste Mal wieder zu einem Gottesdienst gespielt werden. Gleich zwei Organisten hatte die Kirchengemeinde eingeladen. Marianne Spitzner (Neustadt/Dosse) spielte die Orgel zum Gottesdienst. Volker Apitz (Rohrlack) erklärte den 40 Besuchern die Orgel.

"Früher wurde in Familien und geselligen Runden viel gesungen", sagte Pfarrer Lars Haake, "wir sollten es auch heute wieder öfter tun." Gottesdienste seien Orte, an denen immer gesungen werde. "Die Orgel kann uns nun dabei wieder begleiten", brachte der Pfarrer seine Freude zum Ausdruck.

Die Großderschauer Kirche ließ 1785 Friedrich II. zum Abschluss der Entwässerungsarbeiten im Rhinluch und Dossebruch erbauen. Erst 1859 baute Friedrich Herrmann Lütkemüller eine Orgel. Drei Kriege hat diese überstanden. Organisten haben auf der "Königin der Instrumente" viele Gottesdienste, Konzerte und Feierlichkeiten begleitet seit Anfang der 1980-er Jahre aber nicht mehr. Der Blasebalg war kaputt, Pfeifen und andere Teile defekt. Die Orgel konnte nicht mehr bespielt werden. Nahezu zehn Jahre sammelte der Gemeindekirchenrat Geld für die Restaurierung.

Mitte vergangenen Jahres war es geschafft. Der Gemeindekirchenrat konnte Matthias Beckmann (Friesack) mit der Reparatur des Instrumentes beauftragen. Der Orgelbauer brachte die wiederverwendbaren Pfeifen in Ordnung, auch den Blasebalg, den er zudem mit einem Elektromotor ausgestattet hat. Die Orgeltechnik, mit Windladen und Mechanik, wurde von ihm überholt und neu justiert. In die Ansichtsseite der Orgel konnten wieder Zinnpfeifen eingebaut werden. Die originalen Zinnpfeifen waren im Zweiten Weltkrieg durch Zinkpfeifen ersetzt worden.

Rund 17 000 Euro hat die Restauration gekostet. Viele Spender und Sponsoren hatten geholfen, das Geld aufzubringen. "Dafür gilt ihnen Dank", sagte Martina Thiele vom Gemeindekirchenrat. Dass die Orgel nicht nur bei Gottesdiensten gespielt werden kann, sondern auch bei anderen besonderen Anlässen, soll bereits morgen am 1. Mai um 12 Uhr mit einer Matinee unter Beweis gestellt werden. Der Stephanus-Chor der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph in Berlin-Siemensstadt und Miriam Teuschner an der Flöte geben unter Leitung von Martin Steinert mit Orgel-, Flöten- und Chormusik von Bach, Händel und Mozart ein Konzert in der Großderschauer Kirche. Zuvor wird schon um 10 Uhr auf dem Kolonistenhof ein Maibaum aufstellt. (Von Norbert Stein)

Märkische Allgemeine vom 30. April 2013

   Zur Artikelübersicht