Platzverweis für Papst Gregor

Mittenwaldes Kirche wird saniert, alles Inventar muss weichen / Abriss der Empore ergab originellen Fund

MITTENWALDE - Die Propstei ist Papstsitz geworden, wenn auch nur vorübergehend. St. Moritz, wo die steinerne Figur Gregors des Großen eigentlich hingehört, wird saniert. Die Kirche erhält eine neue moderne Empore, der Eingangsbereich wird "luftiger" gestaltet, Elektrik und Lautsprechersystem werden erneuert. Das Kirchenschiff ist seit Mitte März Baustelle, die Gemeinde feiert ihre Gottesdienste in der St. Georgenkapelle.

Dann war der Papst dran: Bis zur Weiterreise in die Werkstatt des Restaurators ist die mannshohe Figur zu Pfarrer Christoph Kurz aufgerückt. Kirchenasyl in Mittenwalde erhält Gregor schließlich seit 500 Jahren. "Der Papst stammt aus der Zeit vor der Reformation, als St. Moritz noch katholisch war."

Wer so alt ist wie die Kirche, hat sich die Schönheitskur nicht nur verdient, "sie war fällig", betont Kurz. Die Gemeinde habe "über Jahre gespart", um den Eigenanteil für die Sanierung beizubringen. Der liegt bei stolzen 100 000 Euro. Insgesamt kostet die Erneuerung des Kircheninneren eine dreiviertel Million Euro, die aus unterschiedlichen Fördertöpfen nach Mittenwalde fließt. Der Kirchenkreis Zossen-Fläming und die Landeskirche beteiligen sich, hinzu kommen Bundesmittel aus dem Förderprogramm "Integrierte ländliche Entwicklung" und ein Zuschuss der Mittelbrandenburgischen Sparkasse für die Restaurierung des Altars. Der Pfarrer weiß: "Wir haben Glück gehabt mit den Förderanträgen."

Revanchieren will sich die Gemeinde künftig damit, die sanierte Kirche auch werktags für Besucher zu öffnen. Architektin Stefanie Clemen plant, unter der neuen Empore Wandelemente aus Glas einzuziehen, die jederzeit den Blick ins Schiff freigeben. Zu Gottesdiensten und Veranstaltungen werden sie geöffnet. Zwei Emporenaufgänge und eine neue, weniger steile Treppe für den Jägerchor sind vorgesehen. Das Kirchenfoyer wird zudem einladend verbreitert, Kirchenbänke sollen dort dann keine mehr stehen. Verheizt werde aber nichts, setzt Christoph Kurz vorsorglich nach. Im Gegensatz zum Holz der alten Empore, das bis auf wenige Balken tatsächlich im Ofen landete.

Beim Emporen-Abbruch kam ein Täfelchen aus Sperrholz zum Vorschein, auf dem sich zwei Handwerker oder Helfer des Einbaus vor 53 Jahren mit Bleistift verewigten: Paul Ribbecke und Hermann Glauber oder Glaser, sein Familienname ist schwer zu entziffern. Dafür ist das Datum gut lesbar, an welchem beide das Hölzchen beschrifteten: 18. September 1959. In Mittenwalde kennt man die Männer nicht, auch die Spur einer Familie Ribbecke aus Gallun war nicht heiß. "Vielleicht kamen sie von außerhalb", mutmaßt Kurz. So wie anno 2013 das Stahnsdorfer Archäologenteam, das an diesem Vormittag den Aushub eines Lochs im hinteren Teil des Kirchenschiffs begleitet, schließlich war die Kirche vor Jahrhunderten auch Begräbnis-ort. Die Gruften zu bergen ist nicht vorgesehen, trotzdem muss der Untergrund auf Hohlräume inspiziert werden, damit die neue Empore stabil stehen kann. Aus dem Loch soll demnächst einer ihrer Stützpfeiler wachsen. Kleine Schätze finden die Ausgräber währenddessen gleichwohl, eine Münze aus dem 17. Jahrhundert etwa. Oder eine DDR-Mark. "Aluchip", urteilt Christoph Kurz über letztere. Und grinst.

Alles bewegliche Kircheninventar musste der Sanierung Platz machen. Weil die Gemeinde kein Depot hat und in der Propstei nur begrenzt Platz ist, sind die Bänke gestapelt unter einer festen Kartonhaut verschwunden. Auch das festinstallierte Ratsherrengestühl ist sorgsam verhüllt worden, die leere Orgel-Nische behutsam durch Stahlstreben fixiert. Das Instrument liegt sicher verwahrt in einer Orgelbauwerkstatt in Müllrose. Im Sommer kommenden Jahres wird es gestimmt und wieder erklingen wenn die Bauarbeiten beendet sind. Dann ist die Decke des Kirchenschiffs obendrein neu verputzt und ihre derzeit noch rotbraunen Rippenbögen sind grau bemalt. Papst Gregor wird sie von seinem Platz an einer Säule im südlichen Schiff in Augenschein nehmen. (Von Tanja Kasischke)

Märkische Allgemeine vom 03. Mai 2013

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