Dachschaden am Gotteshaus

Von der Griebener Kirche stürzen Ziegel herab / Spendenaufruf des Gemeindekirchenrates

GRIEBEN - Ulrich Baller ist ein freundlicher Mensch und immer zu einem Späßchen aufgelegt. Wenn der Pfarrer dieser Tage vor dem Gotteshaus in Grieben steht, verdüstert sich jedoch seine Miene und auf der Stirn zeichnen sich tiefe Sorgenfalten ab. Die Gründe dafür sind gewissermaßen auf höchster Ebene zu suchen. Auf der nördlichen Seite des Kirchendachs sind dieser Tage etliche Ziegel heruntergestürzt. Weil sich dort Gehweg und Dorfstraße (B 167) befinden, war Gefahr im Verzug, weshalb der Gemeindekirchenrat nach einer eilig einberufenen Zusammenkunft als Sofortmaßnahme den Gehwegbereich mit rot-weißem Flatterband abgesperrt hat. Fußgänger müssen bis auf Weiteres einen großen Bogen um die Kirche machen.

Erst im Januar hatte der Gemeindekirchenrat einzelne Ziegel ersetzen lassen. "Es war kein Sturm, also mussten wir die Kosten selber tragen", sagt Ulrich Baller. Die Dachdeckerfirma, die seinerzeit vor Ort war, habe die Schäden auf die Erschütterungen zurückgeführt, die auf der Dorfstraße verursacht werden. Durch Grieben donnern täglich zahlreiche Lastkraftwagen, darunter schwer beladene Fahrzeuge mit Holz und Containern. Der Straßenkörper, der über keinen ausreichenden Unterbau verfügt, wird davon schwer in Mitleidenschaft gezogen und alle Jahre wieder nur notdürftig geflickt. Genau in Höhe der Kirche befinden sich auf beiden Fahrbahnseiten derartige Flickstellen, über die die Laster poltern. Die alten Ziegel, so hätten die Dachdecker berichtet, würden größtenteils bereits beim Anfassen brechen.

Vor etwa zweieinhalb Jahren hatte die Kirchengemeinde ein Sanierungsgutachten fürs Gotteshaus in Auftrag gegeben. Darin war das zuständige Architekturbüro zu dem Schluss gekommen, dass das Kirchendach kurzfristig erneuert werden müsse. An der Dringlichkeit dieser Aufgabe hat sich nichts geändert. Im Gegenteil! Vor etwa drei Wochen haben Kirchenmitglieder beobachtet, dass es wieder zum Absturz beschädigter Dachziegel kommt.

Wie Pfarrer Ulrich Baller berichtet, war das Kirchendach 1984 zum vorerst letzten Mal mit alten Ziegeln umgedeckt worden. Während dafür auf der der Dorfstraße abgewandten Südseite Betonziegel verwendet wurden, kamen auf der Nordseite sowohl dicke als auch dünne Handstrichbiber zum Einsatz, denen der Zahn der Zeit offensichtlich ganz besonders kräftig zugesetzt hat.

Weil sich ausgerechnet auf der bedrohten Nordseite der Kirche der Zugang zum Gotteshaus befindet, will die Löwenberger Dachdeckerfirma Ludwig dort nunmehr eine provisorische Schutzeinrichtung überm Eingang anbringen. Schließlich soll in der Griebener Kirche am 19. Mai Konfirmation und am 22. Mai Taufe gefeiert werden.

"Wir müssen jetzt dringend etwas unternehmen, damit das Kirchendach so schnell wie möglich saniert werden kann", sind sich Pfarrer Ulrich Baller und der Gemeindekirchenrat einig. In Vorbereitung ist ein Spendenaufruf an die Einwohner und die ortsansässigen Gewerbetreibenden. "Uns ist klar, dass wir damit nicht das Geld für ein neues Dach zusammenbekommen werden", so der Pfarrer. Doch um Fördermittel in Anspruch nehmen zu können, müsse es das Ziel sein, zügig den notwendigen Eigenteil zu erreichen.

Der Kirchenkreis Oberes Havelland hat angekündigt, am 28. Mai nach Grieben kommen zu wollen, um den Dachschaden in Augenschein zu nehmen. (Von Bert Wittke)

Märkische Allgemeine vom 04. Mai 2013

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