Putz bröckelt von der Fassade

Haselberg (MOZ) Seine besten Zeiten hat der Kirchturm in Haselberg hinter sich: Der Putz bröckelt von der Fassade, immer wieder stürzen Mauerreste zu Boden. Um den Verfall zu stoppen, braucht die Kirchengemeinde einen Brocken Geld. Rund 90 000 Euro schätzt Pfarrer Christian Kohler.

Abgesperrt: Der Haupteingang in die Haselberger Kirche ist geschlossen. Mauerwerk und Fassade sind marode.
© Sören Tetzlaff

Ein rot-weißes Absperrband markiert das Übel, das unübersehbar ist: Die Kirche Haselberg braucht dringend eine Sanierung. Der Haupteingang ist bereits gesperrt. Zu groß die Gefahr, dass Mauerreste sich von der maroden Fassade lösen und Menschen zu Schaden kommen könnten. "Der Efeu hat früher den Kirchturm eingehüllt, war richtig eingewachsen ins Mauerwerk. Doch als der Bewuchs vor ungefähr zwei Jahren von einem Sturm weggerissen wurde, war der schlechte Zustand des Gebäudes nicht mehr zu übersehen", sagt Pfarrer Christian Kohler.

Der rechteckige Feldsteinkirchenbau, der auf einem Hügel steht, stammt im Kern aus dem 13. Jahrhundert. Ein Brand hinterließ 1633 nur noch die Grundmauern. Erst Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte der Wiederaufbau. Allerdings ohne Kirchturm. Aus alten Fundamenten wurde erst im 19. Jahrhundert nach Plänen von Landbaumeister Neubarth aus Wriezen, der auch den Altar nebst Kanzel lieferte, der quadratische, verputzte Westturm errichtet. Ihr heutiges Aussehen verdankt die Kirche dem Wiederaufbau im Jahre 1959. Im 2. Weltkrieg war der sakrale Bau massiv beschädigt worden. Auch wenn das Gebäude so schlimm nicht betroffen ist - nach über 50 Jahren muss dennoch dringend Hand angelegt werden.

Helfende Hände, da ist Pfarrer Christian Kohler überzeugt, gibt es in Haselberg. In der Vergangenheit gab es immer wieder ehrenamtliche Helfer, die Ausbesserungen vorgenommen haben. Doch damit allein wird es nicht getan sein: Neben dem bröckelnden Putz sorgt sich der Pfarrer auch um das Dach, und es brauche zudem einen stärkeren Elektroanschluss, damit die Kirche überhaupt nutzbar sei, zählt Christian Kohler auf. Eine grobe Kostenschätzung allein für die Sanierung erbrachte eine Investitionssumme von rund 90 000 Euro. Wie die Kirchengemeinde so viel Geld in absehbarer Zeit aufbringen soll, der Pfarrer weiß es nicht.

"Es ist schon ein Gefühl der Ratlosigkeit angesichts dieser riesigen Summe", gibt er zu. Vor allem vor dem Hintergrund, das im Jahr pro Kirchenhaus im Pfarrsprengel nur rund 500 Euro für Instandsetzungsarbeiten zur Verfügung stehen. Im Gemeindekirchenrat habe man die Lage beraten, erzählt Kohler. Eine Lösung aber sei nicht in Sicht. "Wir haben beraten, was sofort gemacht werden muss, was wir selbst und was Fachfirmen erledigen können. Und im Vergleich zu anderen Kirchensanierungen ist es auch keine exorbitante Summe. Aber wie wir es auch drehen und wenden, mit einem Mal können wir das niemals stemmen."

In einzelne Bauabschnitte sei eine Sanierung nicht zu unterteilen, denn besonders die Kosten für den Gerüstbau bilden einen großen Posten. "Aber wir geben natürlich nicht auf und sind weiter optimistisch, dass wir das Geld zusammenbekommen", sagt Christian Kohler. Eine große Sammelaktion will er jedoch noch nicht ins Leben rufen. "Das wird wohl noch kommen, aber solange kein Licht am Horizont zu sehen ist, wir noch nicht wissen, wann wir das Projekt realistisch in Angriff nehmen können, ist es zu früh. Schließlich haben wir auch eine Verantwortung möglichen Spendern gegenüber", begründet er. Leider seien die Fördermittel nicht mehr so flüssig, als das externe Hilfe zu erwarten wäre. Und auch von der Stadt Wriezen, über deren Beteiligung er sich freuen würde, sei wahrscheinlich nicht viel zu erwarten. "Trotz allem, es gibt immer wieder Beispiele, dass so eine Mammutaufgabe gemeinsam bewältigt wird." Und manchmal sagt er mit einer Spur Sarkasmus, sei es gar nicht so schlecht, wenn der Putz sichtbar bröckelt. Dann sei spürbar, wie dringend Hilfe benötigt wird.

Märkische Oderzeitung vom 07. Mai 2013

   Zur Artikelübersicht