Alter Stein im neuen Glanz

375 Jahre nach der Zerstörung ihres Klosters haben die Lindower die sanierte Ruine gefeiert

LINDOW - Schwester Auxiliata, lateinisch die Hilfreiche, gereicht ihrem Namen zur Ehre. An der Treppe neben dem Südgiebel steht Luise Wunnicke in ihrer Nonnentracht und weist den 200 Besuchern den Weg zum Festgottesdienst, der anlässlich der Einweihung der jüngst restaurierten Klosterruine am Sonnabendnachmittag in Lindow stattfindet. An der Treppe, die zur nicht mehr existenten Klosterkirche führt, begrüßen ihre Ordensschwestern, die heilende Aeskulapia und die gastliche Hospitalia die Ankommenden, helfen die Feldsteinstufen hinunter auf die Freifläche, auf der einst die Kirchenmauern standen und die nun zu Gottesdiensten unter freiem Himmel einlädt.

Pfarrer Holger Baum, musikalisch unterstützt vom Lindower Posaunenchor, eröffnet den Festakt und begrüßt die zahlreich anwesenden Gäste, darunter Generalsuperintendentin Heilgard Asmus, die Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler, den stellvertretenden Landrat Werner Nüse, den Superintendenten aus Oberhavel, Uwe Simon. Und mitten ins Lied der Gottesdienstbesucher hinein erinnert er sich zweier weiterer prominenter Gäste aus Literatur und Historie. Ordensmutter Adelheid von Stechlin ist ebenso zugegen, wie der Mann, der ihr im "Stechlin" ein Denkmal setzte, Theodor Fontane. Die träumerische Atmosphäre des Klosters riss Fontane einst hin, das Gedicht zu verfassen, das die beiden Lindower Gemeindemitglieder vortragen der eingefangene Zauber des Ortes.

Heilgard Asmus fragt in ihrer Predigt, angesichts der mehr als 400 000 Euro Restaurierungskosten: "So viel Geld für eine Mauer! Tut das not?" Und bejaht im gleichen Atemzug: "Was vor 375 Jahren zerstört wurde, ist nun mithilfe vieler Menschen wieder aufgebaut worden." Das sei wichtig, um Geschichte zu erklären, zu erleben. Der Leiter des Stiftskapitels Horst Borgmann, der maßgeblich die Restaurierung vorantrieb, ist froh darüber, dass so viele Menschen gekommen sind zum wohl ersten regulären Gottesdienst seit der Zerstörung der Kirche. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler ist angetan, dass trotz Engpässen in Bildung, Infrastruktur und Sozialwesen solch eine Summe aufgebracht werden konnte, um die Ruine zu retten. "Ich bin begeistert", sagt sie und verspricht eine Spende für die von der Naturschutzbehörde angeordneten Ersatzpflanzungen. Werner Nüse lobt die sinnvolle Nachverwendung der abgeholzten Koniferen als Kirchenbänke. "Die Genehmigung für die Fällung zu erteilen, fiel etwas leichter", scherzt er. Immerhin seien Koniferen für das Kloster historisch nicht wertvoll. "Ich nehme Sie beim Wort", kontert Borgmann. "Wir wollen im Winter weiter fällen."

Lindows Bürgermeister Wolfgang Schwericke hat vor zwei Jahren nach eigenem Bekunden "keinen Euro drauf gegeben, dass ich heute hier stehen kann". Er freut sich, dass die "kleinen Mosaiksteinchen, die Lindow ausmachen, wieder in den Fokus gerückt werden". Und an den stellvertretenden Landrat gewandt: "Ziehen Sie sich warm an, Herr Nüse! Herr Borgmann ist noch voller Ideen."

Nach dem Gottesdienst wird am ehemals efeuüberwucherten Südgiebel eine Tafel enthüllt, eine Danksagung an Förderer und Sponsoren. "Hunderte Menschen haben dieses Projekt zum Erfolg gebracht", so Borgmann. "Der kulturelle Mehrwert ist enorm."

Ein Kuchenbüfett für die Gäste steht bereit, im Anschluss laden der Posaunenchor und die Lindower Kantorei zu einer musikalischen Zeitreise innerhalb der Mauern der Klosterruine ein. (Von Regine Buddeke)

Märkische Allgemeine vom 13. Mai 2013

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