Die Ogrosener Kirche und ihre Hüter

Gotteshaus im Vetschauer Ortsteil nach vier Jahren saniert / Am 25. Mai wird das mit einem großen Fest gefeiert

OGROSEN Mit mehr als 340 000 Euro an Spenden ist die Ogrosener Kirche (Dorfkirche des Monats Februar 2007) saniert worden. Mit einem großen Fest soll das am 25. Mai gefeiert werden. Vom Aufstellen der ersten Gerüste bis heute sind nur knapp vier Jahre vergangen.

Frank Hoffmann verlegt in der Ogrosener Kirche unentgeltlich die restlichen Platten, die im Klinkerwerk Buchwäldchen originalgetreu gebrannt wurden.
Foto: H. Kuschy

Frank Hoffmann mäht den Rasen, hilft Kurt Thiede, die Bank unter der alten Linde geradezurücken. Und er verlegt unentgeltlich die restlichen Fußbodenplatten in der Kirche. Sie wurden im Klinkerwerk Buchwäldchen extra für die Kirche gebrannt und sind von den Originalen kaum zu unterscheiden.

Marianne Göbel, Renate Semt und Edith Thiede krempeln das Pfarrhaus um. Alles soll picobello sein zum Fest. Doch nicht nur für sie steht die Kirche erst einmal obenan. So manche Stunde haben auch Norbert Klose, Torsten und Lothar Luge, Manfred Nitzsche, Gerd Kuschke, Frank Thiede und Michael Wende dort verbracht, um zu helfen. "Denn eine Gemeinschaft funktioniert nur, wenn alle etwas hintragen", sagt Christel Paulick von der Kirchengemeinde.

Es soll das Fest der Feste werden, auch wenn die Orgel und die Epitaphien, die auf die Zeit um 1662 derer von Stutterheim zurückgehen, noch ihrer Restaurierung harren. Im Frühjahr dieses Jahres war der Älteste dieser Familie gestorben. Zu seiner Beerdigung waren statt der üblichen Kränze und Blumen Geldspenden für die weitere Kirchensanierung erwünscht. "So war es auch bei unserer Freundin Erika Stix aus Berlin, die mit ihren Spenden wesentlich dazu beigetragen hatte, dass es mit der Sanierung vorangehen konnte. Keine Blumen für ihr Grab, sondern Geld wurde gespendet, wieder für unsere Kirche", erzählt Christel Paulick. Noch vor Sanierungsbeginn war Brigitte Herche aus Altdöbern gestorben. Sie war zu allen Veranstaltungen in die Ogrosener Kirche gekommen "und hatte mir immer Mut gemacht", erinnert sich die Ogrosenerin.

Anne Munding war 49 Jahre lang nicht in Ogrosen. Die Enkeltochter von Arnold Weimann, erster Pfarrer nach dem Krieg in Ogrosen, wird den Festgottesdienst am 25. Mai mitgestalten. Dieses Datum hat auch eine Anwaltskanzlei aus Oberbayern lange herbeigesehnt. Die Bayern waren schon in Ogrosen und haben auch Geld für die Kirche gespendet. Für die Party haben sie Freibier versprochen. Ihr Kommen zugesagt hat auch Kara Huber, Frau des ehemaligen Landesbischofs und Autorin des Buches "Brandenburgische Dorfkirchen und ihre Hüter". Durch sie war die Berlinerin Erika Stix erst auf die Ogrosener Kirche aufmerksam geworden. So spendete die schwerkranke Frau 2008 für die Sanierung 120 000 Euro. Insgesamt knapp 200 000 Euro auf dem Ogrosener Konto ermöglichten schließlich den Sanierungsbeginn 2009. Ein Jahr später war der Turm fast fertig gestrichen. Am 21. August 2010 fand die feierliche Weihe der beiden Glocken aus der Karlsruher Glockengießerei Bachert statt. "Es war das letzte Fest in Ogrosen, das Erika Stix miterlebt hat", bedauert Christel Paulick. Bruder Michael Stix mit Familie aber wird für seine verstorbene Schwester am 25. Mai nach Ogrosen fahren.

Zum Thema:

Das 6. Mittelalterfest in Ogrosen am 25. Mai beginnt um 10.30 Uhr mit einem Festgottesdienst. Eingeladen sind alle, die das Vorhaben unterstützt haben. Die alte Linde wird Geschichten erzählen. Im Programm: Bogen- und Armbrustschießen, Mäuse- und Schneckenrennen, Tierschau, Hexenheiler. Um 14 Uhr beginnt ein Konzert der OSL-Musikschule. Für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Hannelore Kuschy

Lausitzer Rundschau vom 15. Mai 2013

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