Schätze hinter der Kirchenmauer

Handwerker legen bei Sanierungsarbeiten in Dahme zwei farbige Kanzelfenster wieder frei

DAHME Bei der Sanierung der Schadstoff belasteten Dahmer Hauptkirche St. Marien sind Bauleute und Restauratoren auf einen historischen Schatz gestoßen. Zwei farbige Kanzelfenster, die hinter dicken Mauern verborgen waren, werden wieder freigelegt.

Ein kleines Teilstück der Wand ist geöffnet. Dahinter wird eines Kanzelfenster aus farbigem Glas wieder sichtbar.
Foto: be

Vorsichtig haben Bauleute links und rechts der Kanzel die Innenwand des Kirchenschiffs ein Stück geöffnet. Ruth Klawun vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Fachkollegin Hiltrud Preuß von der unteren Denkmalschutzbehörde Teltow-Fläming blicken vom Baugerüst hinter die Mauer. Farbige Bleiverglasungen sind zu erkennen. "Bleistreben und Glas sind zum Teil kaputt", stellt Ruth Klawun fest. Der Gesamtzustand der Fenster lasse sich jedoch erst bewerten, wenn sie komplett freiliegen. "Wir sind zuversichtlich, dass sie restauriert und wieder in das Gesamtkonzept der Kirche einbezogen werden können", so die Denkmalpflegerin.

Dem verborgenen Schatz waren die Experten durch eine alte Schwarz-Weiß-Fotografie vom Kanzelbereich auf die Spur gekommen. Wie Ruth Klawun vermutet, stammen die Fenster aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1906 war die letzte große Sanierung der Dahmer Marienkirche abgeschlossen worden. Warum die Maurer einst bei den Fenstern zur Kelle griffen, sei nicht bekannt. "Der Grund könnte sein, dass das Geld knapp war", so die Fachfrau. Mitunter sei auf diese Weise auch verschwunden, was nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprach.

Am Dahmer Fund hebt Ruth Klawun hervor, dass die Fenster aus späterer Zeit in ihrem Stil harmonisch zum prächtigen barocken Ensemble von Kanzel, Altar, Orgel, Chorgestühl und Decke passen. Die Ausstattung des Gotteshauses sei von außergewöhnlicher Qualität. "Es ist zu sehen, dass Dahme früher eine Residenzstadt war", sagt sie.

Das Herausnehmen der Steine sei für die Handwerker unbedenklich, die Wände seien nicht Schadstoff belastet, erklärt Planer Axel Seemann. Doch die Zeit drängt. Demnächst wird das Entgiftungskommando einer Spezialfirma anrücken und in der Kirche eine abgedichtete Werkstatt aufbauen, kündigt er an. Jedes Holzteil, von Altarelementen bis zur Bank, erhält dort eine reinigende Wäsche. Insgesamt werden sich die Entgiftungs- und Sanierungsarbeiten an der Marienkirche bis weit ins nächste Jahr ziehen. Mit dem bis dahin gesperrten Gotteshaus sollen die Dahmer Christen danach auch ihre beiden farbigen Kanzelfenster zurückbekommen, so das Ziel.

Zum Thema:

In der Dahmer Marienkirche finden seit knapp zwei Jahren keine Gottesdienste mehr statt. Fachleute hatten im Dachstuhl sowie in Holzteilen des Innenraums das heute verbotene gesundheitsschädigende Holzschutzmittel Hylotox sowie weitere Gifte festgestellt. Ende vergangenen Jahres begann die Sanierung, bei der zudem ein aggressiver Hausschwamm im Dachbereich bekämpft werden muss.

Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 11. Juni 2013

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