Haager Kirche bekommt neue Spitze

Endlich wieder komplett

Das Haager Gotteshaus ist wieder komplett. 2010 wurde die marode Kirchturmspitze abgenommen, seitdem umfassend rekonstruiert. Am Dienstagvormittag konnte die sanierte Spitze auf das erneuerte Mauerwerk aufgesetzt werden. Die Hüllensanierung der gesamten Kirche hat rund. 270 000 Euro gekostet.

Sven Nolle von der Baudenkmal-Firma nimmt die letzten Arbeiten rund um die Spitze vor.
Quelle: Andreas Kaatz

Haage. "Das wirkt doch schon ganz anders", sagte gestern zufrieden Karl-Heinz Lauenstein. Der Vorsitzende des Haager Gemeindekirchenrates freute sich, dass das Gotteshaus endlich wieder seine Spitze zurückerhalten hat. Um genau 9.05 Uhr setzte ein Kran den Sieben-Tonnen-Koloss bei idealem Wetter auf das erneuerte Mauerwerk auf. Bis Anfang Juli werden nun die Mitarbeiter der Firma Gottschalk Baudenkmalpflege GmbH die Mauerkrone mit Formsteinen aufmauern und die Dachdecker anschließend das Dach der Spitze mit dem Turm verbinden.

Fast drei Jahre ist es nun her, dass die damals marode Turmspitze zur Erde geschwebt ist. Und dies war dringend nötig, denn bei jedem großen Sturm bestand die Gefahr, dass die instabile Konstruktion abstürzt. Dies hatte ein Gutachten 2009 ergeben. Fortan war das Kirchengelände ab Windstärke 6 gesperrt, die Glocken durften nicht mehr geläutet werden. Doch erst 2010 standen die 13 000 Euro zur Verfügung, um die Spitze abzunehmen zu können.

2011 wurde sie umfassend rekonstruiert. Mit der Spitze allein war es nicht getan. Sie einfach wieder aufzusetzen, ging nicht. Der Turm von 1862 wies zu große Schäden auf. Dies war für die Kirchengemeinde Anlass, die Hülle des gesamten Gotteshauses zu sanieren neben dem Turm auch das Schiff. Das ist in den vergangenen Wochen nun passiert. Um keine Zeit zu verlieren, hatte die Baudenkmal-Firma bereits im März mit den Arbeiten am Turm begonnen. Bei Minus 10 Grad Celsius rissen die Mitarbeiter die Mauerkrone ab.

Jetzt versteckt sich hinter dem Gerüst am Turm eine aufgefrischte Ziegelwand. "Wir haben die Fassade gereinigt und neu verfugt", sagt Firmen-Geschäftsführer Klaus Gottschalk. Zudem wurden etwa 80 defekte Ziegelsteine gegen neu angefertigte ausgetauscht. Dies betrifft auch die vormals zerstörten Bereiche an der Südfassade des Turmes, die noch von Granateneinschlägen aus dem Jahre 1945 herrührten. Die damals entstandenen Löcher sind jetzt verschwunden. Nur noch die leicht nach innen gewölbte Wand im Inneren erinnert an diese Kriegsschäden. Darüber hinaus wurden zahlreiche Holzbohlen im Innenbereich erneuert, sorgen nunmehr für Stabilität.

"Vom Bauzustand her ist die Kirche jetzt wieder genauso gut wie zu dem Zeitpunkt, als sie neu errichtet worden war", schätzt Roland Selent ein, der Baubeauftragte der Kirchengemeinde. "Es ist schon toll, was wir in der kurzen Zeit alles geschafft haben", so Selent. Das Projekt habe bisher rund 270 000 Euro gekostet. Ein Teil der Summe wurde gespendet, ein anderer vom Kirchenkreis und der Landeskirche zur Verfügung gestellt. Über das Programm Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) kamen Fördermittel.

Mit einem Fest soll die Sanierung der Kirchenhülle in diesem Jahr gefeiert werden, kündigte Karl-Heinz Lauenstein an. Vorher jedoch gibt es noch einiges zu tun. "Wir wollen erst den Parkplatz mit fünf Stellplätzen fertigstellen", so Lauenstein. Außerdem soll bis dahin auch der Weg zur Kirche gepflastert sein, so dass man ihn mit Rollstuhl oder Rollator befahren kann. Und nicht zuletzt ist geplant, der Gedenktafel mit den Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen Haager, die sich derzeit in der Kirche befindet, einen würdigen Platz im Außengelände zu geben. Ende August dieses Jahres soll alles fertig sein. Deutlich früher wird das Kirchenschiff einen Farbanstrich erhalten. Über die drei Farbproben müssen aber erst noch Denkmalbehörde und Konsistorium befinden.

Damit auch die Nachkommen erfahren, wie die Sanierung der Kirche gelungen ist, hat Lauenstein die vergoldete Kugel auf der Turmspitze mit neuen Dokumenten bestückt. Hinzu kamen aber unter anderem auch ein Originalschreiben vom Bau der Vorgängerkirche im Jahre 1817 sowie Berichte vom Einschlag eines Kugelblitzes 1962. Beides befand sich bereits in der alten 2010 abgenommenen Kugel. (Von Andreas Kaatz)

Märkische Allgemeine vom 19. Juni 2013

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