Rotschwänze brüteten in der Schönberger Dorfkirche

Ocker statt Ochsenblut

Ocker oder Ochsenblut? Die Frage ist entschieden. Die Gefache der Schönberger Dorfkirche (OPR, bei Lindow) werden in einem Gelbton gestrichen und nicht in Rot. Darauf haben sich Vertreter der Landeskirche und der unteren Denkmalschutzbehörde jetzt festgelegt.

Kirchenbewohner mit Flügeln: Goldengel und Rotschwanz in der Schönberger Dorfkirche. Die filigrane Decke wird in Kürze restauriert.
Quelle: CHRISTIAN KRANZ

Die Balken des 324 Jahre alten Fachwerkbaus viele von ihnen im vergangenen Jahr ausgetauscht und damit nagelneu bekommen einen grauen Anstrich. Proben der zur Diskussion stehenden Farben sind derzeit noch an der Außenmauer zu betrachten.

Pfarrer Ulrich Baller wünscht sich trotzdem nochmal einen Vor-Ort-Termin mit dem Vertreter der Denkmalpflege, um die genauen Ocker- und Grautöne abzusprechen. Ein roter Anstrich sei aber definitiv aus dem Rennen schließlich hat bereits das vor zwei Jahren neu gedeckte Dach einen ähnlichen Farbton.

In diesem Jahr ist bereits der Sockel der Kirche mit Feldsteinen erneuert worden. Derzeit sind die Maler der Firma Heyse aus Alt Ruppin noch damit beschäftigt, die Innenräume der Kirche zu weißen mit einem eierschalenen Farbton. Wenn sie Ende der Woche fertig sind, kann auch endlich die kunstvoll gemusterte Decke des Kirchenschiffs restauriert werden. Sie war 2011 durch einen Wasserschaden während des Dachdeckens schwer beschädigt worden. Ulrich Baller rechnet damit, dass der Maler Heiko Gürtler die bemalte Holzdecke noch in diesem Sommer wiederherstellt. Gürtler besitzt noch die passenden Schablonen, denn sein Vater hatte die Schönberger Kirchendecke schon einmal in den 80er Jahren bemalt. "Eine Sisyphosarbeit" sei das, sagt der Architekt Wolfram Schwelgin zu, "aber in ein paar Wochen zu schaffen." Zum Ende des Sommers könnte dann der zweite und letzte Bauabschnitt in Schönberg mit einem Jahr Verspätung abgeschlossen sein. Dann wartet auf Pfarrer Ulrich Baller das nächste Bauprojekt: In Grieben fallen bereits die Dachziegel von der Kirche.

Ulrich Baller hat noch nicht wieder in der Schönberger Dorfkirche gepredigt er würde dort derzeit auch kaum zu Wort gekommen. Denn im Kirchenschiff haben neben dem Taufengel zwei junge Rotschwänze die Lufthoheit und schwatzen dabei lautstark auf die Kanzel hinab. Die Vögel sind vor Kurzem in der Kirche geschlüpft. Das Nest befindet sich auf einem Balken über den Kirchenbänken. Als Ein- und Ausflugsluke in die Kirche reiche den Vögeln der Spalt unter der Kirchentür, erklärt der Maler Holger Schmidt. Er und sein Kollege freuen sich derzeit über den schattigen und dank der geschwätzigen Insektenfänger nun auch gänzlich mückenfreien Arbeitsplatz. (Christian Kranz)

Märkische Allgemeine vom 20. Juni 2013

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