Künstlerisch gestaltete Fenster ersetzen DDR-Notverglasung

Die Sonne weckt die Moderne

Sie ist ein Kleinod und das mehr denn je, die Klein-Kreutzer Kirche. Zehn ihrer zwölf Fenster leuchten nun mit für ein Gotteshaus überraschend modern gehaltenen Buntglasfenstern, gestaltet von dem Künstler Günter Grohs aus Werningerode.

 
Hans-Christian Fauth unter dem Kirchturm, dessen Spitze fehlt.Klar, modern und doch ein wenig verspielt: Die Fenster machen Freude. Das Spiel aus Licht und Farben verwandelt die Klein-Kreutzer Kirche.

Brandenburg an der Havel. Vor heute fast genau 20 Jahren, am 30. März 1993, war das Schicksal der alten Fenster der vor 145 Jahren erbauten Kirche besiegelt: Die alte Stallverglasung, eine Notlösung aus DDR-Zeiten, sollte durch bunte Glasfenster ersetzt werden. Das beschloss der Gemeindekirchenrat am 30. März 1993. Nun fehlen nur noch zwei der von der Glashütte Schneemelcher aus Quedlinburg geschaffenen Fenster. 5000 Euro kostete jedes der Buntglasfenster. Geschultert hat dies die Kirchengemeinde Klein Kreutz-Saaringen, die zum Dompfarramt gehört. "Es ist eine Bereicherung und eine Einladung und Aufwertung dieses Ortes", sagt Dompfarrer André Wiethöler.

Morgen laden das Evangelische Dompfarramt und der Gemeindekirchenrat von Klein Kreutz-Saaringen zu einem Festgottesdienst anlässlich der zwei weiteren nun fertiggestellten Fenster ein. Wiethölter weist auf die Bedeutung von Buntglasfenstern in Kirchen hin, die von außen unscheinbar wirken und erst im Kirchenraum durch den Lichteinfall erstrahlen: "Man muss den Raum betreten, um das Schöne zu erleben."

Die Fenster in den allermeisten Kirchen seien mit Bibelszenen illustriert: "Das hing mit dem Analphabetismus in früheren Jahrhunderten zusammen", erläutert Wiethölter. "Kirchenfenster waren die Comics für die Gottesdienstbesucher."

Dass die Klein-Kreutzer Kirchenfenster schlicht gehalten wurden und allein durch ihre Farben bestechen, ein Petrolblau, Gelb und leuchtendes Rot, liegt in der Architektur des Gotteshauses begründet: Das sei neuromanisch schlicht und "so muss der Raum auch abstrakt kommentiert werden", sagt Wiethölter. "Es ist ein wunderschöner Kommentar zu der neugotischen, etwas glatten Kirche." Barock anmutende Bilder seien da fehl am Platze.

Zwei Fenster fehlen noch bis zur Vollendung. Hans-Christian Fauth, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, hofft, dass durch Spenden auch bald genug Geld für sie zusammengekommen ist. "Die anderen Fenster schaffen wir jetzt hoffentlich auch bald." Wenn alle Fenster bunt erstrahlen, wird die Kirche ein Alleinstellungsmerkmal haben. Da sind sich Fauth und Wiethölter, beide in Dresden geboren, einig. Fauth hegt noch einen weiteren Traum für die Dorfkirche. Und mit ihm träumen ihn viele in der Evangelischen Gemeinde. Eine Spitze für den Kirchturm. Der besteht zum größten Teil aus dem um 1500 errichteten alten Kirchturm mit Rundbogenfenstern und Spitzbogenblenden aus Backstein. 1972, nach einem schweren Sturm, wurde die Kirchturmspitze demontiert. Mangels Geldes wurde sie nicht erneuert. Seitdem ragt der Turm stumpf in den Himmel.

Von Marion von Imhoff

Der Festgottesdienst beginnt am Sonntag, 23.06.2013, um 15 Uhr. Anschließend lädt die Kirchengemeinde zur Kaffeetafel rund um die Kirche und zum Gespräch mit dem Künstler ein.

Märkische Allgemeine vom 22. Juni 2013

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