Farbe an Spinnweben

Die Kirche von Uetz wird derzeit restauriert

Der Hahn auf dem Kirchturm strahlt im gleißenden Sonnenlicht. Schon fast zu hell, um ihn richtig anschauen zu können. Auch das Ziegeldach des auf einer Anhöhe stehenden Gotteshauses scheint neu gedeckt zu sein. Doch die steinernen Mauern der Kirche von Uetz sind derzeit umgeben von einem Baugerüst.

Nicht etwa eine kleine Frischekur ist es, die man der betagten Dame Kirche momentan angedeihen lässt. Es handelt sich schon eher um einen chirurgischen Eingriff – bis ins Mark sozusagen. Im Jahre 1998 begann diese Operation, wie der Marquardter Architekt Wolfdietrich Max Vogt erzählt. Damals habe man zunächst dafür gesorgt, dass die Kirche nur noch an jenen Stellen nass werde, an denen sie die Nässe auch abbekommen darf. Das Gotteshaus erhielt ein neues Dach. Mit einer ordentlichen Abdichtung am Fundament sorgten die Bauleute zudem dafür, dass das Wasser vom Friedhof über den Hang nicht mehr ungehindert ins Mauerwerk eindringen konnte.

Nun sind die Außenwände an der Reihe. Restauratorin Doreen Duras von der Töplitzer Werkstatt für Restaurierung und Denkmalpflege zeigt auf schwach sichtbare Ritzungen im Mauerwerk. Beim Aufbringen des historischen Quaderputzes, vermutlich im 18. Jahrhundert, habe man, um die quasi künstlichen Fugen in den Putz zu ziehen, häufig die dahinter liegenden Ziegelsteine mit angeritzt. So könne man noch heute nachvollziehen, wie die Musterung des Quaderputzes einst verlief.

Doch nicht nur außen, auch im Innern der Kirche sind derzeit Baugerüste aufgestellt. Extra für die Zeit der Bauarbeiten wurde eine Zwischendecke eingezogen. Denn in diesem Bauabschnitt, der im Herbst abgeschlossen sein soll und für den 206 000 Euro veranschlagt sind, steht auch die Restaurierung der eindrucksvoll bemalten Holzbalkendecke auf dem Programm. Viele Blattfriese aus Eichenlaub sowie anderes Rankwerk mit Blüten und Blättern sind bereits restauriert. Ab 2008 habe man mit restauratorischen Farbfassungsuntersuchungen begonnen, sagt Duras und zeigt ein älteres Bild, auf dem zu sehen ist, wie Schollen aus Farbe gemeinsam mit Spinnweben eine ungesunde Liaison eingegangen waren. Die sogenannte Malschicht habe regelrecht an Schollen heruntergehangen.

Vor der eigentlichen Restaurierung musste im vergangenen Herbst wegen des Holzwurmbefalls die Decke begast werden. Bei der Restaurierung selbst sei man ganz behutsam vorgegangen, sagt Duras. Die Flächen wurden komplett gereinigt. Die Farbschollen konnten teilweise wieder am Holz fixiert werden. Doch seien, so Duras, Fehlstellen zu beklagen gewesen. Diese habe man sorgsam geschlossen, aber wegen der erhaltenswerten Substanz auf eine Komplettübermalung der Decke verzichtet. HC

CHRONIK

Dorf und Kirche

Uetz wurde 1313 erstmals urkundlich erwähnt – als Hufendorf in Gassenform westlich der Wublitz, dessen Bewohner vermutlich unter Führung eines slawischen Adligen standen, wie das 2010 erschienene Potsdam-Lexikon informiert. Der Ortsname stammt demnach aus dem Slawischen und bedeutet: "Leute eines Mannes namens ,Uch’." Auch eine Kirche gab es in Uetz bereits im 14. Jahrhundert. Der heutige Saalbau an der Dorfstraße soll laut Potsdam-Lexikon 1698 entstanden sein. Der Kirchturm ist zunächst 1832 klassizistisch umgebaut worden. Der heutige Turm entstand nach Plänen Ludwig von Tiedemanns in den Jahren 1904/05. Zur selben Zeit wurden Sakristei und Patronatsloge angefügt und das Kircheninnere mit einer Holztonne neu gestaltet. Altar und Taufe aus Kunststein stammen wohl aus dem 19. Jahrhundert. Das Relief der Kreuzabnahme in der Patronatsloge schuf Jakob Alberty 1838 aus Lindenholz. Die Schuke-Orgel wurde 1913 eingebaut. PNN

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 29. Juni 2013

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