"Lob singen im sanierten Gotteshaus"

Ratzdorf (MOZ) Die Ratzdorfer Kirche lädt seit Sonntag wieder regelmäßig zu Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen ein. Am Nachmittag wurde sie nach der Sanierung wieder eingeweiht.

Auf der Kanzel: Generalsuperintendent Martin Herche hielt die Predigt in dem Festgottesdienst in Ratzdorf.
© Jana Pozar

"Wir können wieder Lob singen und auch klagen im frisch sanierten Gotteshaus. Hier können wir uns öffnen für Dinge, für die wir oft verschlossen bleiben", erläuterte dazu Pfarrer Dr. Uwe Weise.

Und die Menschen kamen zum Festgottesdienst. "So viele Leute waren hier noch nie zu sehen", war vereinzelt aus den Reihen zu hören. Viele fanden keinen Platz mehr in der Kirche, lauschten deshalb dem Gottesdienst von draußen. Als Prediger war Generalsuperintendent Martin Herche aus dem Sprengel Görlitz nach Ratzdorf gekommen. "Es sollten immer so viele Menschen wie heute hierher kommen, denn was wäre die schönste Kirche der Welt ohne Menschen, die auf Gottes Wort hören." Und "das Wort Gottes bleibt ewiglich" - so steht es jetzt über dem Portal. Das sollten die Menschen nicht falsch verstehen. "Der Spruch verleitet dazu, den Kirchenbesuch immer wieder zu verschieben, weil man ja Zeit hat".

Doch der Spruch sei auch eine Chance dafür, sich einladen zu lassen zu Gottesdiensten und somit das Wort Gottes weitertragen zu können. "Wir alle sind mit dafür verantwortlich, dass dieser Satz stimmt, weil wir hineingehen und wieder herauskommen und das Wort Gottes verkündigen", sagte Martin Herche.

Dabei sollte jeder wissen, dass Gottes Worte optimistisch machen und Kraft geben. Denn sie lassen Dankbarkeit im Herzen verspüren und führen die Leute in eine große innere Freiheit. Genau wie die Menschen einst, als die Ratzdorfer Kirche vor mehr als 55 Jahren gebaut wurde.

Damals hätten die Erbauer nie gedacht, dass die Christen auch im Osten an jedem Ort mit Gott rechnen können. "Gott ist auch in Ratzdorf zu Hause, er kennt hier jeden, findet jeden. Genau wie ein Navigationsgerät", betonte Herche. "Und wenn schon ein Navi sprechen kann, sollte auch Gott sprechen können", fügte der Generalsuperintendent hinzu. "Die Idee für eine Radfahrerkirche ist großartig, so können auch Menschen von weit her hier einkehren", lobte Herche. Das führe zu einem freundlichen und wohlwollenden Miteinander.

Zukünftig können Besucher des Ratzdorfer Gotteshauses jederzeit einen Film sehen, der für die überarbeitete Ausstellung zur Orts- und Kirchengeschichte erstellt wurde. Der Film zeigt den Umbau der Scheune zum Gotteshaus, auch Zeitzeugen kommen dabei zu Wort.

Die Sanierung der Kirche hat insgesamt 220000 Euro gekostet, finanziert wurde sie mit EU-Fördermitteln. Die Ratzdorfer Kirche ist eines der wenigen Gotteshäuser, die zu DDR-Zeiten entstanden sind.

Märkische Oderzeitung vom 08. Juli 2013

   Zur Artikelübersicht