Goldene Zeiten für Altwustrower Taufengel

Altwustrow (MOZ) Freud und Leid liegen auch in der Fachwerkkirche Altwustrow dicht nebeneinander. Auf der einen Seite will der Förderverein den Taufengel restaurieren lassen. Auf der anderen Seite macht die Feuchtigkeit dem alten Gemäuer aus dem 18. Jahrhundert mehr zu schaffen, als den Engagierten und den Behörden lieb sein kann.

Den Taufengel in der Kirche Altwustrow wollen Claudio Jarczyk und seine Mitstreiter vom Förderverein restaurieren lassen.
© MOZ/Nadja Voigt

"Sonst liegt die Luftfeuchtigkeit bei 90 Prozent", sagt Claudio Jarczyk vom Förderverein Kirche Altwustrow und blickt sorgenvoll auf das Barometer. "Heute liegt sie nur bei 60 Prozent." Doch das auch nur, wenn die Kirche regelmäßig gelüftet wird. Dazu sollen in Kürze Gitter an den Fenstern angebracht werden, damit bedenkenlos quer gelüftet werden kann.

"Die Feuchtigkeit muss raus und die Ursachenforschung vorangetrieben werden", nennt Beate Niehoff, ebenfalls Gründungsmitglied im Förderverein, die drängendsten Probleme. Deshalb fordert der Vorstand, einen Entfeuchter aufstellen zur dürfen. Dass jedoch treibe der zuständigen Denkmalbehörde die Sorgenfalten ins Gesicht, berichtet Claudio Jarczyk und hält dennoch an der Forderung fest.

Im vergangen Monat waren der Denkmalschutz, die Kirchengemeinde, das Konsistorium und der Förderverein in der Kirche zusammengekommen, um den schlechten Zustand des Baus zu besprechen. Erst im dritten Anlauf sei dies möglich gewesen, wie der Förderverein kritisiert. Wesentlich jedoch sei, dass überhaupt wieder etwas passiert, gibt sich Beate Niehoff versöhnlich.

Denn die Schäden im Inneren des Gotteshauses sind nicht mehr nur am Sockel zu besichtigen. Risse laufen von unten nach oben über so ziemlich jede Wand des Gebäudes. Und das, weil die Problematik mit dem Untergrund noch immer nicht erörtert sei, sagen Beate Niehoff und Claudio Jarczyk. Beide vermuten, dass bei der Sanierung eine Trennschicht vergessen wurde. "Zudem hat vor Kurzem jemand den Hinweis gegeben, die Dachkonstruktion verlagere zu viel Gewicht auf die Seitenwände des Sakralbaus", gibt Jarczyk zu bedenken. Das würde zumindest die Spannungsrisse im Mauerwerk erklären.

Doch sie können nur vermuten, denn vom Baufach sind die beiden Engagierten nicht. Und drängen deshalb auf eine kurzfristige Klärung des Sachverhalts und der aus ihrer Sicht dringend notwendigen Maßnahmen mit den zuständigen Behörden. Zum Glück, sagen beide unisono, können sie auf die Unterstützung der Pfarrerin des Pfarrsprengels Neulietzegöricke, Nanna-Maria Luttenberger, zählen. Sie habe auch den falsch angebrachten Strahlenkranz über dem Altar entfernen lassen. Zudem habe die Pfarrerin bei der Besprechung der Verwaltung gegenüber deutlich gemacht, dass die Erschütterungen, die die landwirtschaftlichen Maschinen beim Vorbeifahren verursachen, nicht eben förderlich seien. "Die fahren schneller, als es für die Kirche gut ist", bringt es Jarczyk auf den Punkt. Er könne sich vorstellen, dass eine Bodenschwelle Abhilfe schaffen könne. Das aufgestellte "Freiwillig 30"-Schild sei jedenfalls für die Kirche keine Lösung, sind sich die beiden Vorstandsmitglieder einig.

Doch es gibt auch gute Nachrichten für die charmante kleine Dorfkirche: Der Taufengel soll restauriert werden. Dafür will der Förderverein die Hälfte der auf etwa 7000 Euro geschätzten Rekonstruktion aus der eigenen Tasche bezahlen. Für Claudio Jarczyk und seine Mitstreiter ist er "eines der Glanzstücke in der Kirche". "Ein Restaurator hat jedoch schon befunden, dass er unsachgemäß, was Farbe und Material angeht, restauriert worden ist", sagt Jarczyk. Auf dem Speicher haben die Vereinsmitglieder die Taufunterschale und den Taufkrug gefunden. "Nur die Taufschale fehlt, aber vielleicht hat sie ja noch jemand in Besitz", hofft er. Um weiter Geld in die Kasse zu spülen, treten am 15. September die Neutrebbiner Holzbläser in der Kirche Altwustrow auf. Dabei hoffen die Mitglieder des Fördervereins wieder auf viele Besucher, deren Spenden dann der Kirche zugutekommt.

Märkische Oderzeitung vom 24. Juli 2013

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