Verborgene Schätze sichern

Lindenaer Kirche aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird mit Fördermitteln saniert

LINDENA Vor wenigen Wochen hat in der Kirche Lindena (Dorfkirche des Monats Januar 2012) der vorerst letzte Gottesdienst stattgefunden. Der Zahn der Zeit hat an Inventar, Empore, Kanzel und Gestühl kräftig genagt. Bauarbeiter werden in den nächsten Monaten dem Gotteshaus die einstige Würde zurückgegeben.

Restauratorin Evelin Waldmann (l.) und Caroline Kroschel vom Gemeindekirchenrat in der Lindenaer Kirche.
Foto: Heike Lehmann

Vor einem Jahr am Johannistag freute sich der Gemeindekirchenrat mit Einwohnern und Kulturinteressierten über die bewilligten Fördermittel aus dem Topf für die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE). Jetzt nehmen die Bauarbeiten Fahrt auf. Insgesamt 200 000 Euro können in Werterhaltungsmaßnahmen im Innern der Kirche fließen.

"Unsere Kirche steht beim Landesdenkmalschutz auf der Prioritätenliste", sagt Caroline Kroschel. Der Blick ins Kirchenschiff macht jede weitere Nachfrage überflüssig. An diesem Bau der Dobrilugker Zisterziensermönche aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist lange nichts gemacht worden. Vor allem die Holzteile sind angegriffen, die Kanzel muss gestützt werden, weil sie sich abgesenkt hat. Die Elektrik muss erneuert werden. Die Treppe zum Turm und das Gestühl sind sanierungsbedürftig. Die Empore muss gesichert werden. Der spätgotische Flügelaltar und die Apsis werden hingegen gut abgetrennt vor Staub geschützt. Die Bauphase unter Regie des Architekturbüros Angelis & Partner wird sich bis ins Jahr 2014 erstrecken.

Seit 2007 engagiert sich die 40-jährige Caroline Kroschel im Gemeindekirchenrat. Die Baumaßnahme wird wohl die bisher aufregendste Phase für sie. "Wir müssen mit dem Geld so viel wie möglich schaffen", lautet die Devise. Viel gibt es abzusprechen, viel zu koordinieren. Und zu entdecken. Wenn die Diplom-Restauratorin Evelin Waldmann aus Nexdorf über die vielen kleinen Besonderheiten an den Wänden, dem Deckengewölbe oder unter dem Putz spricht, lauscht Caroline Kroschel besonders aufmerksam. "Diese Kirche bietet viele geschichtsträchtige Befunde. Historische Dokumente werden wir als sogenannte Sichtfenster darstellen", sagt die Restauratorin, die der Lindenaer Kirche einen "ganz besonderen Charme" wegen der kleinen Schätze aus der zisterziensischen Zeit bescheinigt. Die Lindenaer Kirche gilt als die erste nach der Klosterkirche erbaute Filialkirche. "Die Mönche wollten hier etwas Besonderes schaffen." Diese Würde soll jeder wieder spüren, der das Gotteshaus betritt.

Zum Thema:

Prägend für den Lindenaer Altar ist die Darstellung sogenannter Nothelfer, weltliche und kirchliche Würdenträger, die aufgrund ihres Handelns unmittelbar nach ihrem Tod heilig gesprochen wurden. 14 Nothelfer kennt die Kirchengeschichte, elf sind auf dem Lindenaer Altar dargestellt. Sie drücken die Wünsche und Hoffnungen der Menschen im Mittelalter aus. Allein diese Darstellung ist in Südbrandenburg eine Rarität.

Heike Lehmann

Lausitzer Rundschau vom 01. August 2013

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