Gotteshaus erstrahlt in neuem Glanz

Sanierung der Ogrosener Kirche abgeschlossen / Pfarrer verschwitzt Trautermine

OGROSEN/CASEL/NEUDÖBERN "In unserer Kirche kann wieder geheiratet werden", sagt Christel Paulick mit einem Augenzwinkern. Selbstverständlich konnten sich Heiratswillige auch schon zuvor das Ja-Wort geben, nur nicht in einer so einladenden Kirche.

Angela Krohn und Polsterer Matthias Enge haben den alten Ogrosener Barockstühlen zu neuem Glanz verholfen. Die Sitzmöbel zählen zum Kircheninventar und sollen ausschließlich im Gotteshaus und zu besonderen Anlässen aufgestellt werden.
Foto: Uwe Hegewald/uhd1

Nach umfassender Sanierung erstrahlt das Gotteshaus in neuem Glanz. Zudem sind jetzt zwei edle Hochzeitsstühle aus der Restauration zurückgekehrt.

"Die Form der Stühle lässt darauf schließen, dass es sich um Exemplare aus dem 18. Jahrhundert handelt", vermutet Angela Krohn. Konstruktion und Ornamente sprächen für den Barock, so die Restauratorin aus Casel (Drebkau). Im Erzgebirge hatte sie die typischen Schnecken ornamente und Blüten nachschnitzen lassen und passgenau in die Sitzmöbel eingearbeitet.

Wie Christel Paulick von der Kirchengemeinde Ogrosen erzählt, gehörten beide Stühle schon immer zum Kircheninventar. Überliefert ist, dass Margitta und Erich Schnarr auf diesen gesessen hatten, als sich das Paar vor 40 Jahren das Ja-Wort gab.

Die in Ogrosen geborene, getaufte, konfirmierte und schließlich auch getraute Vetschauerin kann sich noch sehr genau an den etwas kuriosen Tag erinnern. "Wir standen vor verschlossener Kirche und mussten erst einmal den Pfarrer suchen", erzählt sie. Auf einer Baustelle wurden die ausgesandten Boten fündig, die den Diener Gottes von der Rüstung zogen und schleunigst zur Kirche chauffierten.

Im Gegensatz zu damals sind die Ogrosener Hochzeitsstühle heute nicht mehr wiederzuerkennen: Stabilität, Optik und Funktionalität wurden von Angela Krohn wieder hergestellt, für das Beziehen mit rotem Samtstoff und goldener Borte zeichnete sich Matthias Enge verantwortlich. Bis zuletzt arbeitete der in Neudöbern lebende Polsterer auf renommierten Flughäfen, um dort die Passagier- und Pilotensessel von VIP-Fliegern schick zu machen. Die Hoffnungen, sein Wirken auf dem BER fortzusetzen, erfüllten sich nicht. Der Polsterexperte wollte nicht länger auf die Eröffnung des Airports warten und wagte jetzt den Schritt in die Selbstständigkeit.

Apropos warten: Als Margitta und Erich Schnarr nach 25 Jahren ihr Eheversprechen erneuern wollten, zog es das Paar samt Hochzeitsgesellschaft erneut zur Kirche nach Ogrosen. Nur einer fehlte: Der Pfarrer. Diesmal wurde der Prediger in einem Archiv aufgespürt und zum Altar gebeten. "Das ist schon eine kuriose Geschichte", kommentiert Christel Paulick das Ogrosener Hochzeits-Phänomen. Sie würdigt die Arbeit der Restauratorin und des Polsterers und weiß genau, wer schon bald auf den beiden Thronen Platz nehmen wird: Carola Fischer und Hans-Joachim Schröpfer vom Staatstheater Cottbus. Sie zählen seit vielen Jahren zu den Stammgästen der Ogrosener Weihnachtskonzerte auch als sich das Gotteshaus noch in einem ruinösen Zustand befand. In diesem Jahr gastiert das Cottbuser Ensemble am 4. Adventssonntag, 22. Dezember um 15 Uhr in der Kirche.

Auf die barocken Hochzeitstühle zieht es auch noch einmal Margitta und Erich Schnarr. "Wenn es die Gesundheit zulässt, feiern wir dort in zehn Jahren Goldene Hochzeit", blickt Margitta Schnarr voraus. Und wer informiert den Pfarrer? Darüber wurden noch keine Gedanken verschwendet. Möglicherweise wird der Prediger am Vorabend unter einem Vorwand in die Kirche gelockt und eingeschlossen. In der Zeit bis zum Eintreffen der Hochzeitsgesellschaft kann er es sich bequem machen zwei auffallend schöne Stühle laden regelrecht dazu ein.

Uwe Hegewald/uhd1

Lausitzer Rundschau vom 17. August 2013

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