Gotteshaus in Woltersdorf wird saniert und soll eine Winterkirche erhalten

Zur Silberhochzeit ausquartiert

In der Woltersdorfer Kirche (Teltow-Fläming) wird seit einigen Tagen gewerkelt. Der Container vor dem Gotteshaus ist schon zur Hälfte mit alten Steinengefüllt. Geplant ist die Abtrennung des Raumes unter der Empore für kleine Veranstaltungen.

Im Woltersdorfer Gotteshaus soll eine Winterkirche entstehen.
Quelle: Margrit Hahn

Woltersdorf. Die Bauarbeiten waren auch der Grund dafür, das Pfarrer Matthias Wolf und seine Frau Monika, die als Katechetin im Evangelischen Pfarramt tätig ist, ihre Silberhochzeit am Sonnabend nicht in "ihrer" Kirche in Woltersdorf feiern konnten. "Wir haben ja erst in der vergangenen Woche mit den Arbeiten begonnen", berichtet Pfarrer Matthias Wolf. Die Bauarbeiten wegen der Feier zu verschieben, kam nicht in Frage. "Die Fördermittel müssen noch in diesem Jahr verbaut werden", so der Pfarrer. Bereits zur 100-Jahrfeier vor zwei Jahren wurden Sanierungsarbeiten vorgenommen. Damals wurde die Elektrik im Altarraum erneuert. Jetzt geht es darum, die Kirche abzugrenzen und eine Art Winterkirche zu schaffen, um auch in der kalten Jahreszeit Gottesdienste durchführen zu können. Die komplette Kirche für einen Gottesdienst zu heizen, sei zu kostenintensiv. Deshalb befürwortete der Gemeindekirchenrat den Bau der sogenannten Winterkirche.

Der alte Betonfußboden wurde rausgerissen. Dort sollen Heizmatten verlegt werden. Außerdem bekommt die Sakristei einen Wasser- und Abwasseranschluss. Künftig gibt es in der Woltersdorfer Kirche auch eine kleine Küchenzeile, sodass bei Veranstaltung dort auch Kaffee gekocht werden kann. Vorerst sind für die Arbeiten 120 000 Euro eingeplant, allerdings ohne den Innenanstrich und die Aufarbeitung der Orgel zu berücksichtigen. "Wir wissen aus Erfahrung, dass während des Baus meist noch zusätzliche Kosten auftreten. Wir werden sehen, wie weit wir mit dem Geld kommen", sagt er. Spenden sind gern gesehen.

Pfarrer Matthias Wolf ist froh, dass es endlich losgeht, zumal das Bauvorhaben bereits mehrfach verschoben werden musste. Deshalb störte es ihn auch nicht, dass er seine Silberhochzeit nicht in der Woltersdorfer Kirche feiern konnte. "Ruhlsdorf gehört ja ebenso zu meinem Bereich und die Kirche dort ist sehr schön", so Wolf. Außerdem hätte man in Woltersdorf auch die Orgel nicht spielen können, denn diese wurde Dank einer MBS-Spende eingehaust und vom Holzwurm befreit.

Die Orgel in Ruhlsdorf wurde erst vor wenigen Tagen auf Vordermann gebracht und mit einem Windmotor bestückt. So konnte Judith, die älteste Tochter der Familie Wolf, die Silberhochzeit auf der Orgel musikalisch umrahmen. Das Ehepaar Wolf hat vier Kinder und lernte sich - wie könnte es anders sein - durch die Kirche kennen. "Wir waren schon in der Jugend kirchlich sehr engagiert und haben uns in der Nähe von Luckau beim Kreisjugendkonvent kennengelernt", so Matthias Wolf.

Die Andacht bei der Silberhochzeit hielt Michael Wolf, der Bruder von Matthias Wolf. Dieser ist in der Nähe von Fürstenwalde als Pfarrer tätig. "Ich hatte ihn gefragt, ob er das für uns machen würde und er hat sofort zugesagt. Ich hatte bei seiner Silberhochzeit auch die Andacht gehalten", erzählt Matthias Wolf, der seit 1996 die Pfarrstelle in Woltersdorf verwaltet. Nach dem Gottesdienst in Ruhlsdorf wurde mit der Familie und Freunden in Klein Schulzendorf weitergefeiert.

Von Margrit Hahn

HINTERGRUND

Bis 1909 scheiterte ein Kirchenbau in Woltersdorf an fehlendem Geld. Das änderte sich, als Otto Boenicke beschloss, Woltersdorf eine Kirche zu stiften.
Die Kosten dafür betrugen 70 000 Reichsmark. Geplant und gebaut wurde sie von Friedrich Metzing aus Berlin. Die Grundsteinlegung erfolgte im März 1911. Richtfest war im Juni des Jahres.
Die Kirche ist einschiffig gebaut. Der Turm hat eine Höhe von 24 Metern.
Am 16. November 1911 wurde die Kirche eingeweiht. Vor zwei Jahren wurde das 100-jährige Bestehen gefeiert. mh

Märkische Allgemeine vom 19. August 2013

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