Denkmalpreis für Dorfkirchenverein

Brandenburg und die EU helfen Gotteshäusern mit mehr als 44 Millionen Euro bei Sanierung und Restaurierung

POTSDAM Der "Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" erhält die silberne Halbkugel des "Deutschen Preises für Denkmalschutz". Das gab das "Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz" in Bonn bekannt.

Schmuckstück: In der Dorfkirche von Pessin (Havelland) finden besondere Gottesdienste, Theateraufführungen und Konzerte statt.
Foto: dpa

Mit der Auszeichnung soll die Kreativität des 1990 gegründeten Vereins für den Erhalt der mehr als 1600 Brandenburger Dorfkirchen ausgezeichnet werden, heißt es in der Begründung. "Wir können dem Verein nur für seine hervorragende Arbeit gratulieren", sagte der Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo), Volker Jasztrembski. Während 1990 noch zahlreiche Kirchen in ihrer Substanz gefährdet gewesen seien, seien heute nur noch rund 200 Gotteshäuser in Brandenburg akut bedroh t.

"In den vergangenen Jahren ist viel geschehen, um Dorfkirchen als Ortsbild prägende Bauten zu erhalten", sagt auch die SPD-Landtagsabgeordnete Susanne Melior. Zusammen mit ihrer Fraktionskollegin Jutta Lieske hatte sie in einer "Kleinen Anfrage" an die Landesregierung erfragt, mit wie viel Geld das Land Brandenburg in den vergangenen 20 Jahren den Erhalt seiner Gotteshäuser unterstützte.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Rund 44 Millionen Euro öffentlicher Mittel, das meiste davon aus den EU-Regionalfonds Efre und Eler, gingen in die alten Feldsteinkirchen, von denen rund 1479 unter Denkmalschutz stehen. Seit dem Fall der Mauer wurde der Erhalt und die Sanierung dieser Kirchen in 471 Einzelvorhaben gefördert. Zusätzlich unterstützt das Land die Unterhaltung der Bausubstanz im Rahmen des Evangelischen Kirchenvertrages vom 8. November 1996 mit jährlich etwa 1,5 Millionen Euro.

Von den Brandenburger Dorfkirchen gehören 1424 zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Im Norden der Uckermark gibt es daneben einzelne Kirchengemeinden, die politisch zwar in Brandenburg liegen, aber zum Sprengel Mecklenburg-Vorpommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland gehören. Im Süden und Südwesten des Landes gibt es dagegen einzelne Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Und in rund 400 Orten gibt es mittlerweile Vereinbarungen zwischen Kirchengemeinde und Komune über die Nutzung der Kirchen etwa für Veranstaltungen oder durch Vereine. Das zeige die "identitätsstiftende Wirkung" der Dorfkirchen, so Melior. Auch Lieske betonte, dass die zahlreichen Kirchbauvereine im Land deutlich zeigten, welche Bedeutung die Dorfkirchen für das Leben im ländlichen Raum haben. "Hier kommen Menschen egal ob Christ oder Nichtchrist zusammen, um mit viel Engagement einen wichtigen örtlichen Versammlungs- und Veranstaltungsraum für kirchliche und weltliche Zwecke zu erhalten."

"Wir können stolz sein auf das, was wir erreicht haben", sagt auch der Geschäftsführer des Förderkreises, Bernd Janowski. Doch es gebe auch noch Nachholbedarf: Während in anderen Bundesländern bereits Denkmalfonds oder Stiftungen existierten, sei das in Brandenburg bislang noch nicht der Fall. Und auch bei der Ausstattung der Dorfkichen gebe es noch viel zu tun: "Die Kirchen sind der größte Eigentümer von Kunstwerken im Land", so Janowski.

Diese Kunstschätze müssten ebenso gesichert werden, wie es Konzepte zum Umgang mit Kirchengebäuden angesichts des demografischen Wandels und des Schrumpfens der Dörfer bräuchte. "Hier müssen das Land, die Kommunen, die Kirche und die Bürger weiter an einem Strang ziehen", wünscht sich der Geschäftsführer des Förderkreises.

Benjamin Lassiwe

Lausitzer Rundschau vom 23. August 2013

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