Alte waren altersschwach und mussten ersetzt werden

Ferbitzer Glocken läuten wieder

Glocken, die nicht läuten, sind sinnlos. Kirchen ohne Glocken auch. In Ferbitz hätte das Gotteshaus fast ohne seine Glocken auskommen müssen. Sie wurden altersschwach. Aber ein Pfarrer wusste, wo für Frebitz neue Glocken gibt.

Ferbitz. Beinahe wäre es passiert, dass die Ferbitzer zukünftig zwar noch ihre Kirche, aber keine Glocken mehr gehabt hätten. Der Grund: Das dortige Gotteshaus war mit einem eisernen Geläut aus Graugußeisen bestückt gewesen, und das hat nun mal eine Lebensdauer von lediglich etwa 80 Jahren - das Material beginnt zu reißen oder zu springen - und diese Zeit war jetzt herum, denn die bronzenen Vorgänger waren im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und der Rüstungsindustrie als Materialspender zugeführt worden.

"Aber in derselben Woche erfuhr ich, dass in der im Westharz gelegenen katholischen Gemeinde Bornum die Kirche mangels Mitglieder profanisiert worden war und nun die Möglichkeit bestünde, die betreffenden Glocken zu bekommen", erzählte der Lanzer und damit für Ferbitz zuständige Pfarrer Nier auf der anlässlich der Einweihung des neuen Geläutes am vergangenen Sonntagvormittag stattfindenden Andacht. "Schließlich gehören Glocken zu einer Kirche wie die Kanzel und der Altar, und zudem ist ein Glockengeläut auch viel mehr als ein "Musikinstrument", welches zur Andacht ruft!"

An neue Glocken war nach dem Befund des Glockensachverständigen der Landeskirche überhaupt nicht zu denken gewesen, und um so mehr freute sich Nier, als er über den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg Kontakt mit dem dortigen Mitarbeiter Joachim Killus bekam, der wiederum den Kontakt zu der kleinen Gemeinde im Landkreis Hildesheim herstellte und den Glocken-Umzug in die Wege leitete. An den Abbauarbeiten in Bornum an der 1959 erbauten Kirche St.Theresia vom Kinde Jesu beteiligte sich auch der Ferbitzer Kirchenälteste Ingo Ramm. Der 43jährige Klempner hat - wie auch Nier und Killus - mit der Tatsache, dass nunmehr in einer evangelischen Kirche zwei katholische Glocken läuten, kein Problem: "Wir freuen uns, daß die Glocken hier jetzt wieder läuten, und der Ton ist doch derselbe, und darauf kommt es an!" Und letzterer hat zudem über den Transfer der gewichtigen Kleinodien aus dem Bistum Hildesheim in die Prignitz in der Zeitschrift des Förderkreises "Offene Kirchen", Ausgabe 2012, ausführlich berichtet - unter dem Titel "Gelebte Ökumene".

Nachdem nun die größere "Bernhard und Godeward" sowie die kleinere "Hedwig" für die nächsten 500 Jahre ihren Dienst klaglos versehen werden - denn beide bestehen aus Bronze - sind ihre beiden Vorgängerschwestern noch nicht ganz aus dem Verkehr gezogen worden - im Eingangsbereich zur Ferbitzer Kirche sind sie als interessante Monumente zur Geschichte des Ferbitzer Gotteshauses zu besichtigen.

Von Harriett Lieven

Märkische Allgemeine vom 03. September 2013

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