"Das Land hat keinen eigenen Etat für die Denkmalpflege"

Vor lauter alten Schlössern, restaurierten Mühlen und wiedereröffneten Kirchen werden die Probleme, die es beim Schutz alter Denkmale im Land gibt, oft übersehen. Benjamin Lassiwe sprach mit Landeskonservator Thomas Drachenberg.

Was ist die größte Herausforderung für die Denkmalpflege in Brandenburg?

Wir müssen bei sich verringerndem Personal weiter eine qualititativ gute Arbeit leisten: Verglichen mit dem Jahr 2000 wird die Zahl der Mitarbeiter in der Brandenburger Denkmalpflege bis 2018 um gut 40 Prozent schrumpfen. Das heißt, dass wir die denkmalfachliche Beratung für Eigentümer von Denkmalen oder die unteren Denkmalschutzbehörden zwar weiter flächendeckend, aber nicht mehr so engmaschig wie bisher anbieten können.

Wie wird das ein Hauseigentümer in Wittenberge oder Prenzlau spüren?

Ich hoffe, dass er das gar nicht spüren wird. Das wäre jedenfalls unser Ziel. Wenn er eine Solaranlage anbauen will, wird er künftig keinen Kontakt mit uns haben - aber das hat er ja meistens schon heute nicht mehr. Wenn er Beratung für die Restaurierung einer Fassade oder eines mittelalterlichen Dachstuhles benötigt, werden wir auch weiter zusammen mit den Kollegen der unteren Denkmalschutzbehörden für ihn da sein.

Das heißt, die Personaleinsparungen sind kein Problem?

Es ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sie zu keinem größeren Problem werden. Wir haben einen Stamm an sehr erfahrenen Mitarbeitern, der in den nächsten Jahren in den Ruhestand tritt. Wenn diese Mitarbeiter gehen, werden ihre Stellen teilweise nicht mehr nachbesetzt. Unsere Aufgabe ist es, das so gut wie möglich zu gestalten.

Wie steht es um die Finanzierung der Denkmalpflege in Brandenburg?

Brandenburg ist weiterhin das einzige Bundesland, das - über die Kofinanzierung des Bundesprogramms zur Förderung national bedeutender Denkmale hinaus - keinen eigenen Etat für Denkmalpflege hat. Seit 2003 werden alle Denkmalschutzmaßnahmen aus anderen Töpfen gefördert: Aus Mitteln der Stadtebauförderung, des Stadtumbaus oder für den ländlichen Raum. Das bedeutet aber auch, dass zum Beispiel keine reinen Sicherungen außerhalb der Sanierungsgebiete in den Städten gefördert werden können, obwohl das Denkmal landesweit wichtig und einsturzgefährdet ist. Es muss immer ein anderer Grund parallel dazu existieren.

Das Land plant einen Denkmalfonds...

Wir sind sehr froh, dass sich der Kulturausschuss des Brandenburger Landtags für die Schaffung eines Denkmalfonds ausgesprochen hat. Es existiert hier eine kleine Arbeitsgruppe mit dem Kulturministerium. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Aber das Einfachste und Praktikabelste wäre es, den Nullansatz im Haushalt aufzuheben. Das Land muss schließlich für seine Denkmale sorgen - und bis der Denkmalfonds so stark gefüllt ist, dass dessen Zinsen alleine für den Unterhalt der Denkmale ausreichen, wird wohl noch sehr viel Zeit vergehen.

Wo sehen Sie die größten fachlichen Herausforderungen der nächsten Jahre?

Wir werden uns stärker als bisher um die Innenausstattungen der Bamdenkmale kümmern müssen. Wir haben in den letzten 20 Jahren erfolgreich in die Gebäudesubstanz mit unseren Partnern investiert, etwa in den Städten oder bei den Dorfkirchen. Es wird neben der Sicherung zunehmend um die Rettung wertvoller Ausstattung vor allem in den Stadt- und Dorfkirchen, aber auch in den Gutshäusern gehen. Künftig geht es nicht mehr um das Loch im Dach, sondern um das, was sich unter dem Dach befindet.

Uckermark Kurier vom 13. September 2013

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