Goldenes Herzgitter funkelt vor dem Hosenaer Himmel

Christuskirche erstrahlt nach Restauration zur 100-Jahr-Feier in farbiger Jugendstilpracht / Festwoche zum Jubiläum startet Sonntag

HOSENA Keine Kirche, kein Gottesdienst - 16 Monate lang mussten Hosenas Christen so leben. Pünktlich zur 100-Jahr-Feier an diesem Wochenende ist die aufwändige Innensanierung der Christuskirche beendet. Die prächtige Jugendstil-Malerei erstrahlt zum Jubiläum in genau den Farben, die vor 100 Jahren im Hosenaer Gotteshaus angemischt wurden.

Pfarrer Gerd Simmank in der frisch sanierten Christuskirche Hosena.
Foto: Steffen Rasche/str1

Pfarrer Gerd Simmank ist dafür bekannt, kein Mann für halbe Sachen zu sein. "Bei Gott muss alles seinen Platz haben" heißt einer seiner Leitsprüche. Dass in der Kirche Hosena jetzt wieder alles seinen Platz hat, ist zu allererst ihm zu verdanken. Die Restauratoren, Maler, Denkmalschützer, Elektriker und Teppichleger haben dem Gotteshaus zu seinem Ursprungs-Glanz verholfen. Die Jugendstil-Malerei leuchtet wieder in ausgeprägter Farbigkeit. Im Kircheninneren gibt es nach der Sanierung keine einzige Fläche, die in den vergangenen knapp anderthalb Jahren nicht behandelt wurde. Alles ist gereinigt, restauriert oder rekonstruiert. Die Ornamente in der Tonnendecke wurden retuschiert. Selbst der Fußboden ist mit einer Speziallösung geölt worden. Das Gesamtergebnis stimmt selbst den eingefleischten Kirchensanierer Simmank milde, der irgendwo ein Perfektionist ist und notfalls selbst zugreift, wenn es keine Lösungen gibt. Jetzt predigt seine Tauf- und Konfirmationskirche wieder, bevor er mit seiner Predigt beginnt. Und das ist dem 53-Jährigen am allerwichtigsten.

Seine Kirche ist wieder im Top-Zustand, die handwerkliche Leistung überzeugt den Pfarrer. Sich mit den Behörden zu versöhnen, sagt er, braucht freilich noch seine Zeit. "Wir hätten manches anders machen wollen, als von der Denkmalbehörde erlaubt", schiebt er nach. Die Kirchenkuppel ist dafür ein Beispiel. Das Denkmalamt hat entschieden, dass der untere Bereich durch eine Mischung aus destilliertem Wasser, Quarzsand, Katzenstreu und anderen Zutaten entsalzt wird. Die Arbeiten waren enorm zeitaufwendig. Ein Vierteljahr haben die Restauratoren dafür benötigt. Mit dem Ergebnis ist Pfarrer Simmank nicht vollends zufrieden. Die Blautöne des Himmels wirken sehr unruhig.

Ursprünglich sollte nach den Vorgaben des Denkmalamtes das komplette Innere lediglich gereinigt und retuschiert werden. "Damals bin ich explodiert", erinnert sich der Pfarrer an seine Worte: "Dann fangen wir gar nicht erst an!" Der spätere Kompromiss sah vor, wenigstens die Wände mittels Stupftechnik erneuern zu dürfen. Mit Naturschwämmen haben die Restauratoren deren Originalstruktur weitestgehend erreicht. Nicht minder zeitaufwendig waren die Arbeiten am Sockelfond mit dem markanten dunklen Marmor-Konglomerat. An einem Feld war ein Restaurator bis zu zweieinhalb Wochen beschäftigt.

Ein Hingucker ist nach der Sanierung der Altarraum, in dem sich Himmel und Erde zu berühren scheinen. Im Kuppelgewölbe überrascht das satte Blau mit dem goldenen Gitter aus verschlungenen Herzen davor. An schadhaften Stellen ist Blattgold neu aufgetragen worden. Im unteren Bereich indes die irdenen Farben in Braun- und Grüntönen.

Für die kleine Kirchgemeinde ist die Innensanierung vor allem finanziell ein Kraftakt. Eine Kreditlast von 50 000 Euro muss in den nächsten Jahren noch getilgt werden. Insgesamt haben sich die Baukosten auf 260 000 Euro summiert. Die unbespielbare Orgel, die völlig hinüber ist, muss daher noch warten. Ebenso andere Ideen, die Pfarrer Simmank weiter umtreiben.

Zum Thema:

Der Gemeindekirchenrat der evangelischen Kirchengemeinde Hosena lädt alle Einwohner ein, das besondere Ereignis der 100-Jahr-Feier nach umfangreicher Innensanierung der Christuskirche mitzufeiern. Festprogramm:Sonntag, 15. September, 14 Uhr Festgottesdienst mit anschließender Kaffeetafel im Festzelt in der MittelstraßeMontag, 19 Uhr Chronikabend zum Thema: "Wenn Steine sprechen könnten"Dienstag, 19 Uhr - Festliches Kirchenkonzert mit Astrid Harzbecker (Tickets im Vorverkauf auch im Pfarramt)Mittwoch, 20 Uhr - Kirchenkino mit einem ÜberraschungsfilmDonnerstag, 16 Uhr ein Musical für die ganze Familie "Die Arche Noah" mit Dr. Amadeus und Gabi EitnerFreitag, 19 Uhr Posaunenserenade mit dem Auswahlchor des Sprengels GörlitzSonnabend, 21. September, 17 Uhr "Die Kirche tanzt" ein Tanzabend im Festzelt

Andrea Budich

Lausitzer Rundschau vom 14. September 2013

   Zur Artikelübersicht