Sanierungsarbeiten an Heilandskirche in Sacrow beendet

Auferstanden aus Ruinen

Das Sacrower Gotteshaus, das zu DDR-Zeiten im Sperrgebiet der Berliner Mauer lag, ist umfangreich saniert worden. Am Sonntag fand aus diesem Anlass eine Andacht statt. Das Projekt wurde mit 324.000 Euro von Bund und Stadt gefördert. Trotz der Arbeiten war die Kirche für Besucher während der Sanierung geöffnet.

Oberbürgermeister Jann Jakobs, Restaurator Ulrich Schneider und Gemeindekirchenrat Karl Heinrich von Bothmer (v.l.) vor dem Altar.
Quelle: Christel Köster
 
Mauerstreifen - links ragt der Campanile in die Höhe.
Quelle: MAZ/Archiv

Potsdam. Gut fünfzig Besucher zählte am Sonntagvormittag der Gottesdienst der evangelischen Pfingstgemeinde in der kleinen Heilandskirche in Sacrow. Sie alle waren erschienen, um den vorläufigen Abschluss der Rekonstruktion dieses Mahnmals der deutschen Teilung zu feiern. Einst im Inneren zerstört und beinahe zur Ruine geworden, weil sie im Mauerstreifen stand, wurden nun die über zwei Jahrzehnte andauernden Bemühungen um ihre Wiederherstellung mit einem Gottesdienst abgeschlossen.

Um dieses Wunder zu feiern, waren nicht nur Restauratoren und Aufbauhelfer gekommen, sondern auch Oberbürgermeister Jann Jakobs hatte den beschwerlichen Holperweg über die Asphaltkraterstraße nach Sacrow äußerlich völlig unversehrt überstanden. Pfarrer Tilemann Wiarda protestierte am Anfang seiner Predigt nur scheinbar und ganz sanft gegen das ihm auferlegte Predigtthema, um dann schnurstracks das Bild von der Auferweckung des Lazarus auf die Heilandskirche zu übertragen.

Er zitierte das Jesuswort: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt." Mehrmals wiederholte er seine Formulierung "Christen sind Protestleute gegen den Tod". Tatsächlich scheint die Geschichte des 1844, von Ludwig Persius errichteten, an ein Schiff erinnernden Gotteshauses mit dem freistehenden Campanile, seine Auferstehungsmetapher bestens zu belegen. Mühevoll war bislang jeder einzelne der Einzelschritte, die zum jetzigen eindrucksvollen Gesamtbild beitrugen.

Allein die letzte Etappe verlangte noch einmal rund 360000 Euro Fördergeld, eine Summe, die die kleine Gemeinde überforderte. Die Stadt sprang ein und gab den notwendigen Eigenanteil von zehn Prozent dazu. Jann Jakobs betonte in seiner Rede, er sei bereit, auch zukünftige Baumaßnahmen mit einer Co-Finanzierung zu unterstützen. Viel Beifall bekam er für den Satz: "Mir ist auf dem Weg hierher erst einmal klar geworden, dass als nächstes die Straße gemacht werden muss." Es schien, als würden hinreichend tiefe Schlaglöcher bestens geeignet, um Politiker wachzurütteln.

Karl Heinrich von Bothmer vom Gemeindekirchenrat gab in seiner unterhaltsamen Dankesrede erst einmal der Freude über das Erreichte Ausdruck. Immerhin wurde mit dem Geld die Sanierung des Turmes und speziell seiner Treppe und des Kreuzes bezahlt. Außerdem wurden der Altartisch rekonstruiert, Fehlstellen in der Bemalung des Gestühls ergänzt, das erhaltene historische Lesepult saniert sowie eine Kopie des Lesepults für den ständigen Gebrauch angefertigt.

Als nach dem Gottesdienst die Glocken zu läuten anfingen, klang es, als würde sich auch die Heilandskirche für ihre Auferstehung bedanken wollen.

Märkische Allgemeine vom 16. September 2013

   Zur Artikelübersicht