Lehniner Klosterkirche ohne Glocken

Heiliger Bimbam

Die Glocken der Lehniner Klosterkirche haben derzeit Pause. Handwerker haben sie ausgebaut und reparieren nun verschiedene Teile an der maroden Aufhängung. Durch den Tüv waren die beiden Klosterglocken wegen vieler Mängel zuletzt nur mit Ach und Krach gekommen.

Kletterpartie im Dachreiter der Lehniner Klosterkirche: Christian Schulz von der Berliner Firma Schmidt-Glockentechnik im Einsatz.
Quelle: V. Maloszyk

Lehnin. Die Touristen staunten nicht schlecht. Über ihnen und dem eindrucksvollen Kreuzrippengewölbe der Lehniner Klosterkirche war Bewegung. Da scharrte und kratzte es. Schwester Heidrun Sigmund, die als Diakonisse auf dem Klostergelände lebt, wusste indes Rat: "Heute werden Reparaturarbeiten an den Glocken ausgeführt."

Christian Schulz von der Berliner Firma Schmidt-Glockentechnik verschaffte sich am Montag im Dachreiter der Klosterkirche zuerst einen Überblick über den Zustand der Glocken. "Das Geläut der Kirche kenne ich aus vorangegangenen Überprüfungen, denn Kirchenglocken sollten alle ein bis zwei Jahre gewartet werden", erklärte Schulz. Durch den "Glocken-Tüv" sind die beiden Klosterglocken zuletzt nur mit Ach und Krach gerutscht und jetzt muss eine Reparatur sein. "Vor allem die Glockenjoche haben ausgedient", befand Schulz. "Sie haben dem Anschein nach zwar an die 200 Jahre gehalten, sind aber aus nicht ganz hochwertigem Holz gearbeitet und inzwischen morsch." Die neuen Joche würden aus Eiche gefertigt und länger ihren Dienst tun, denn Holzwürmer hätten da keine Chance.

Mit dem neuen Holz allein ist es aber nicht getan. Die Metallteile der Glockenaufhängung sind rostig und zu klein bemessen. "Die Größe der Glockenkronen verlangt auch eine größere Aufhängung", sagte Schulz. Zudem machen die Klöppel Probleme. Sie dürfen nicht zu hart an die Bronzeglocken anschlagen, sonst könnten sie schaden nehmen. Außerdem wird noch der Stundenhammer erneuert.

Für die Kosten von rund 4000 Euro hat die Lehniner Kirchengemeinde Geld gesammelt. Die Hälfte steuerten Walter und Erika Kirstein aus Rädel bei, die anlässlich ihrer goldenen Hochzeit um Spenden statt Blumen für die Glocken der Kirche baten.

Vor allem eine der beiden Glocken hat eine bewegte Geschichte hinter sich. "Sie ist markiert und war wohl schon auf einem Glockenfriedhof, wo sie zu Kriegszeiten darauf wartete, eingeschmolzen zu werden", vermutete der Glockentechniker. Für die Arbeiten wurden die Glocken mit einem Kettenzug abgenommen. "Die Glockenjoche werden in unserer Werkstatt gefertigt und mit dem Schmieden neuer Stahlklöppel wird eine weitere Firma beauftragt.". Bis die Glocken wieder eingebaut werden, bleiben sie auf dem Boden des Dachreiters stehen. "Während der Zeit der Reparatur wird mir der Klang der Glocken fehlen", sagte Schwester Heidrun Sigmund. "Der Stundenschlag und das Läuten sind eine schöne Begleitung und Orientierung durch den Tag."

Von Christine Lummert

Märkische Allgemeine vom 24. September 2013

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