Kulturförderpreis geht nach Kappe

Kappe/Oranienburg (MZV) Musiker aus renommierten Häusern wie der Deutschen Oper wissen längst um die Qualität der Schorfheider Brunchkonzerte in der kleinen Kapper Kirche. Nun würdigt auch der Landkreis Oberhavel die Arbeit im hohen Norden.

Immer wieder ein Publikumsmagnet: Zahlreiche Besucher können regelmäßig zu den Brunchkonzerten in der Kapper Kirche begrüßt werden, wie beispielsweise im Juli bei einem Konzert der Pianistin Beni Araki.
Foto: Jörg Tägder © Jörg Tägder / Freier

Der Förderverein Kapper Cappe hat deshalb in diesem Jahr auch einen von zwei Kulturförderpreisen des Landkreises verliehen bekommen. "Überwältigt", zeigte sich deren Vorsitzender Christian Schulze am Dienstag im Gespräch mit der Gransee-Zeitung. "Damit haben wir nicht gerechnet. Uns gibt es ja noch nicht so lange, wir haben uns erst 2010 gegründet. Und jetzt so eine Ehrung. Das ist jetzt natürlich eine große Motivation für uns", so Schulze. Der andere Kulturförderpreis ging übrigens an das Jugendsinfonieorchester Oberhavel-Süd. Der eigentlich mit 2 000 Euro dotierte Preis wird auf die beiden Sieger aufgeteilt.

Wie der Landkreis mitteilte, soll mit der Auszeichnung das Engagement der Kapper "für das Gemeinwohl des Ortes und der Region" geehrt werden. Gegründet mit dem Ziel, die marode Kirche zu sanieren, habe der Verein "mit den regelmäßig stattfindenden Konzerten ein soziokulturelles Begegnungszentrum im ländlichen Raum mit Musik, bildender Kunst, Fotografie und Architektur geschaffen." Die Brunchkonzerte, bei denen alle Künstler grundsätzlich auf ihre Gage verzichten, sind mittlerweile echte Publikumsmagneten. Und das liegt nicht nur an dem regelmäßig danach aufgetafelten, erlesenen Brunch liegen.

Was ist aber das Geheimnis von Schulz, dass Musiker der Deutschen Oper kommen und ohne Gage spielen? Bei der Frage muss der Vereinsvorsitzende lachen. "Nun ja, man muss die Qualität hoch halten. Wir haben mittlerweile so viele Anfragen, und einige muss ich auch ablehnen. Am liebsten würde ich sie aber alle hier spielen lassen." Mittlerweile sei Kappe und das Förderprojekt überregional recht bekannt.

Noch immer schwärmt er etwa vom Auftritt der Sopranistin Patricia Freres der Deutschen Oper. Und er freut sich auch schon auf das Konzert des New Yorker Musikers Soheil Nassei im nächsten Jahr. "Dieser großartige Pianist muss sogar extra ein Konzert in New York absagen, um nächstes Jahr im September hier bei uns spielen zu können", so Schulze. "Er hat angekündigt, mir heute noch bescheid zu sagen", verkündet Schulze hochaktuell.

Rund 20 hochkarätige Konzertsonntage gehen schon auf das Konto der Kapper Cappe. Ihr Anliegen, die Kirche sanieren zu können, hat der Förderverein aber noch nicht umsetzen können. "Wir sind noch nicht am Ziel. Eine konkrete Aussage, wann die Sanierung der Kirche beginnen kann, haben wir noch nicht", musste Schulze noch etwas vage bleiben.

Fließen die 1 000 Euro Preisgeld also auch in die Kirchensanierung? Schule verneint das. "Wir haben den Preis ja nicht für die Kirche und das Bauen sondern für unser kulturelles Engagement erhalten. Deshalb müssen wir es dafür auch ausgeben. Wir werden es in etwas bleibendes investieren, dass wir immer brauchen. Vielleicht Bestuhlung, das ist noch nicht geklärt. Wir haben ja heute erst von dem Preis erfahren", so der Vorsitzende am Dienstag. "Die 1 000 Euro fließen auch nicht in das Frühstück und werden einfach aufgegessen."

Alle zwei Jahre verleiht der Landkreis den Kulturförderpreis. 2011 erhielt ihn der Liedermacher und Sozialpädagoge Andreas Dalibor. Zwei gleichstarke Gewinner gab es vorher noch nicht. Am Mittwoch, 16. Oktober, wird die Auszeichnuntg im Kreistag ab 15 Uhr feierlich verliehen. Derweil können sich Musiker aus aller Welt weiter auf einen Auftritt in der kleinen Kapper Kirche freuen.

Märkische Oderzeitung vom 01. Oktober 2013

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