Börnicker Dorfkirche in ungewöhnlicher Verhüllung

Kampf dem Holzwurm

Seit Freitag sind in Börnicke (Havelland) Insektenjäger im Einsatz. Sie wollen dem Holzwurm in der Dorfkirche endlich den Garaus machen. Weil Gas in das 25 Meter hohe Bauwerk geblasen werden soll, wurde es zuvor nahezu luftdicht in Folie verpackt. Am Wochenende ist die Kirche geschlossen und am Montag wird gelüftet.

Am Wochenende soll in der Börnicker Kirche der Holzwurm bekämpft werden.
Quelle: dpa
 

Börnicke. In der Dorfkirche in Börnicke (Havelland) sind die Spuren des Holzwurms allgegenwärtig. Am Gestühl, am Altar und an anderen Holzteilen gibt es stecknadelkopfgroße Löcher. Seit Freitag wird das Insekt professionell attackiert.

Das 25 Meter hohe Bauwerk wurde nahezu luftdicht mit eine Folie verpackt, bevor Gas eingeblasen wird. Der Anblick der Kirche erinnert nun an die einstige Verhüllung des Berliner Reichstagsgebäudes durch den Künstler Christo 1995.

Über das Wochenende darf niemand hinein. Am Montag wird dann ausgiebig gelüftet, um alle Spuren zu beseitigen. "Die Aktion ist Teil der Sanierung", sagte Kirchenratsvorsitzender Jörg Schütt. Experten aus Bayern wurden beauftragt.

Der Holzwurm lateinisch anobium punctatum hat überall kleine Häufchen von puderfeinem Holzmehl hinterlassen. Angeknabbert, angefressen, durchlöchert - das ist die Bilanz für das Treiben der nur wenige Millimeter großen Tiere. In Brandenburg gibt es rund 1600 Dorfkirchen, und in einigen hat sich der Schädling eingenistet.

Die Begasung einer kompletten Dorfkirche im Kampf gegen Holzwürmer sei relativ selten, so Matthias Hoffmann-Tauschwitz, Leiter des Bauamtes der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz. In den vergangenen zehn Jahren habe es solche Aktionen vielleicht sechsmal in seinem Zuständigkeitsgebiet gegeben. Öfter werden Holzwürmer in einzelnen Inventarteilen bekämpft.

"Der Erfolg ist auf Dauer nicht hundertprozentig", betonte der Bauamtsleiter. "Es gibt kein totsicheres Mittel gegen Holzwürmer", dämpfte er allzu große Erwartungen. Mittel mit durchschlagenden Erfolg seien meist ökologisch nicht vertretbar.

Viele Gotteshäuser gerade auf dem Lande haben nach den Erfahrungen von Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Sanierungsbedarf. Der Befall mit Schädlingen sei ein großes Problem. Der Förderkreis habe in den gut 20 Jahren seines Bestehens rund eine Million Euro zur Verfügung gestellt. "Das Geld kam ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge zusammen."

Die Börnicker finanzieren die diesjährige Sanierung an dem spätgotischen Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert bislang über eigene Initiativen. Das Geld sei unter anderem aus Spenden gekommen, sagte Kirchenratsvorsitzender Schütt. Auch gegen Schimmelbefall und Nässe müsse etwas getan werden. Rund 50.000 Euro erforderte allein die Sanierung des Glockenturms.

Die Börnickerin Heidrun Held, sie gehört zu den Organisatoren der Aktion, hofft auf ein Ende der Holzwurmplage. "Dann können wir mit der Restaurierung des Altars beginnen", sagte sie. Das mittelalterliche Schmuckstück stammt aus katholischer Zeit vor 1539 und wurde mit der Reformation evangelisch umgearbeitet. "Zu tun ist hier noch viel", sagte sie.

dpa

Märkische Allgemeine vom 11. Oktober 2013

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