Groß Lindower Orgel wird saniert

Groß Lindow (MOZ) Die Orgel in der Groß Lindower Kirche wird derzeit gereinigt, repariert und rekonstruiert. Das Instrument soll am ersten Adventssonntag, 1. Dezember, wieder erklingen.

Enger Raum: Rolf Pietrusky arbeitet im Orgelgehäuse.
© MOZ/Ralf Loock
 
Kontrolle: Hartmut Beyer prüft eine der Orgelpfeifen, auf dem Tisch hat der Experte Werkzeug ausgebreitet.
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Es ist eng im fast leeren Orgelgehäuse, aber Rolf Pietrusky kam dennoch dort zurecht. Die Pfeifen sind ausgebaut worden, aber einige Technik befindet sich noch in dem Komplex. Hartmut Beyer schaute sich unterdessen eine der vielen Orgelpfeifen an. Wäre eine Reparatur notwendig, so würde man sie in die Werkstatt in Potsdam bringen lassen. Seit einigen Tagen sind die beiden Experten der Firma Alexander Schuke Orgelbau Potsdam mit den Arbeiten in Groß Lindow beschäftigt. Der Ausbau der Pfeifen sei inzwischen bereits abgeschlossen, jetzt geht es an die Reinigung und Reparatur sowie an den Wiedereinbau. "Das wird aber alles noch Wochen dauern", erläuterte Hartmut Beyer. Ziel sei es, dass das Instrument am Sonntag, 1. Dezember, wieder spielbar sei, allerdings stehen dann immer noch einige Arbeiten an. Die Überholung soll zum Weihnachtsfest komplett abgeschlossen sein. Nachdenklich schaut er auf das 1876 von dem damals 22-jährigen Paul Bütow gebaute Exemplar, "er war sein Meisterstück", ergänzte er.

Heute habe die Orgel "eine hohe denkmalwerte Bedeutung", erläuterte Gudrun Grunow von der Kirchengemeinde. Sie kümmert sich um die Organisation - und besonders um das Einwerben von Spenden. Auf deutschem Boden gebe es heute nur noch zwei komplett von Paul Bütow erbaute Instrumente, ergänzte sie. Paul Bütow hatte damals seine Werkstatt in Königsberg/Neumark.

Die Sanierung sei keine Routine, da Paul Bütow ein anderes Spielsystem als andere Orgelbauer verwandte, betonte Hartmut Beyer. So verfüge die Groß Lindower Anlage auch über eine "mechanische Kegellade", so der Orgelbauer.

"Die Kirche ist ohne Zweifel ein architektonisches Kleinod des Ortes. Aus gutem Grund steht sie unter Denkmalschutz", erzählte Gudrun Grunow. Oft finden hier sonntägliche Gottesdienste statt, dann erklingt auch die Orgel. Diese bedürfe aber dringend einer Sanierung. Die Gesamtkosten veranschlagte sie am Dienstag auf rund 49 000 Euro. Die Kirche und das Amt für Denkmalpflege des Landkreises wollen einen Teil Geld dazugeben. 36 000 Euro habe man verfügbar, weitere rund 14 000 Euro müsse man noch einwerben.

Im Frühjahr dieses Jahres waren Erika Kemmel, Horst Krause, Rita König, Linda Reckner, Bärbel Päthke, Karin Schröder und Gudrun Grunow drei Wochen lang von Haus zu Haus gezogen, um Spenden einzusammeln.

Seit der Sanierung der Kirche im Jahr 1993 finden dort Orgel- und Chorkonzerte statt, "die bei den Bürgern weiter über die Grenzen Groß Lindows hinaus Anklang finden", betonte Gudrun Grunow.

"Leider befindet sich die Orgel unserer Kirche in einem Zustand, der eine umfangreiche Restaurierung nötig macht. Ein Neubau dieser Orgel würde etwa 180 000 Euro kosten", sagte sie. So habe das Instrument neben seiner kulturhistorischen Bedeutung auch einen hohen Sachwert.

Sammeln möchte man auf jeden Fall beim Groß Lindower Kirchweih- und Weihnachtsfest am Sonntag, 1. Dezember. Abends wird es in der Kirche ein zweistündiges Konzert mit den Schwarzmeerkosaken-Chor und Peter Orloff geben, Beginn ist um 19 Uhr. Die Eintrittskarte kostet 20 Euro. "Erstmals wird den Chor ein männlicher Sopran begleiten, der von der Kiewer Oper als Stimmwunder genannt wird", sagte sie.

Der Vorverkauf findet an diesem Sonnabend, am 16. und am 23. November jeweils in der Zeit von 16 bis 17 Uhr in der Kirche statt. Kartenreservierungen nimmt sie unter Telefon 033609 72641 entgegen.

Märkische Oderzeitung vom 23. Oktober 2013

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