Frankenfelder Altar gewinnt neuen Glanz

Sternebeck/Frankenfelde (MOZ) Der Altar der Frankenfelder Kirche könnte zu Ostern 2014 in neuem Glanz erstrahlen. Am Montag zeigte Restauratorin Marlies Genßler in Sternebeck die fast fertige Predella, das unterste Sockelbild. Mit der Restaurierung rettet sie den Altar vor seinem sicheren Zerfall.

Aufgebahrt: Der von Norbert Blum geschnitzte Christus liegt in einem Regal, bis auch er seinen Platz am Altar wieder einnimmt.
© Sören Tetzlaff<
 
Im Kelleratelier: Einzelteile des Altars stehen neben Zeichnungen, die die historische Farbgebung darstellen.
© Sören Tetzlaff
 
Am Mittelteil der Predella: Die Abendmahlszene lässt schon ahnen, wie der Altar dereinst wieder erstrahlen wird. Restauratorin Marlies Genßler (r.) zeigt dem Vorsitzenden des kirchlichen Bauausschusses und Motor der Sanierung, Friedhelm Zapf, wie weit sie sind.
© Sören Tetzlaff

Montagmorgen im Haus der Restauratorin Marlies Genßler in Sternebeck: Der Protagonist der Sanierung der Frankenfelder Kirche, Friedhelm Zapf, ist eingeladen, den Restaurierungsfortschritt am Altar zu begutachten. Er betritt den Vorraum ihres Hauses, wo auf einem langen Tisch das Sockelbild des Altars unter einem weißen Laken liegt. Wie eine Pathologin schlägt Marlies Genßler mit regelrecht feierlicher Geste das Tuch zurück. Friedhelm Zapf, der Vorsitzende des kirchlichen Bauausschusses, blickt mit großen Augen auf das farbenfrohe Hochrelief mit seinen vergoldeten und glänzenden Gewändern.

Das Abendmahl ist am Fuße des Altars dargestellt, und als "letzten Gruß" hat Schnitzer Norbert Blum die beiden am rechten Rand sitzenden Jünger Friedhelm Zapf und Pfarrer Christian Kohler nachempfunden. Marlies Genßler erläutert, dass die hellen und kräftigen Farben noch mit einem speziellen Firnis überzogen würden und im Halbdunkel des Altarraums erheblich milder erscheinen werden. Unter dem Rot und Grün wird zuerst Silber aufgelegt, das dann erst überstrichen wird. So kommt der metallische Glanz der Farben zustande. Unter dem Blattgold hingegen muss auf das zunächst mehrmals mit Kreide grundierte und geschliffene Holz eine spezielle rote Tonerde aus Italien aufgetragen werden.

Für Friedhelm Zapf ist der Anblick überwältigend. Hat er doch den ursprünglichen Zustand des Altars noch gut vor Augen. Der Holzwurm hatte ganze Arbeit geleistet, der Frankenfelder Kirchenaltar aus dem Jahr 1610 wäre heute schon so gut wie unkenntlich. Viele der fein geschnitzten Gliedmaßen der Apostel und von Tieren waren schon abgefallen. Andere Teile wurden nur durch die vier Farbschichten zusammengehalten. 1999 zog die Kirchengemeinde Haselberg, zu der Frankenfelde gehört, die Notbremse. Sie demontierte den bis zur Decke des Altarraums reichenden Schnitzaltar.

"Bei seiner Rettung hat uns das Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf, besonders der für Holzskulpturen zuständige Werner Ziems, kräftig unterstützt", erzählt Friedhelm Zapf. In Wünsdorf untersuchten Studenten das Kunstwerk, außerdem wurden alle Teile dort von Spezialisten begast, um den Holzschädling auszumerzen. Studenten verfüllten mit Injektionsspritzen die Fraßlöcher. Das Landesamt half auch bei der Akquise von Fördermitteln. Die Kirchengemeinde sammelte Spenden, um den Eigenanteil aufzubringen.

Bevor die Finanzierung stand, hatte Restauratorin Marlies Genßler, die die Altarteile seit fünf Jahren im Haus hat, nur die alten Farbschichten entfernt. Die wichtigste Vorarbeit hatte da schon Norbert Blum, Friedhelm Zapfs langjähriger Freund, geleistet: "Er hat alle fehlenden Teile nachgeschnitzt, vom Pferdekopf bis hin zum gekreuzigten Christus, der vollständig fehlte." Blum, der einst an der Kunsthochschule Weißensee Holzskulptur unterrichtete, hat für den Christus eine Figur in der Schulzendorfer Kirche kopiert. Wie Marlies Genßler orientierte er sich am Altar der Dorfkirche von Ringenwalde (Märkische Höhe), der aus der gleichen Zeit und möglicherweise gleichen Werkstatt stammt. Friedhelm Zapf würdigt bewegt die Verdienste seines inzwischen verstorbenen Freundes: "Er hat diese Arbeit völlig unentgeltlich geleistet, und sie ist in der Tat unbezahlbar."

Für Marlies Genßler waren das Glätten und Schleifen die schlimmsten Arbeitsgänge, der Staub lagert sich im ganzen Haus ab. Insgesamt habe sie 15 Kilogramm Kreide verbraucht, davon dürften fünf auf dem Altar geblieben sein. Die Predella hat sie ihrer Größe wegen im Vorraum des Hauses bearbeiten müssen, die vielen anderen Teile im Atelier im Untergeschoss. Friedhelm Zapf ist begeistert vom Stand der Arbeiten: "Schaffen wir es bis Ostern?", fragt er. Marlies Genßler nickt.

Märkische Oderzeitung vom 19. November 2013

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