Berliner Experte restauriert Gemälde der Kirchengemeinde kostenlos

Schönheitskur für das alte Blankenseer Altarbild

Die Freude in Blankensee ist groß. Ein Berliner Restaurator hat das Altarbild der Kirche restauriert. Und das ganze kostenlos. Vor einigen Wochen bekam es die Kirche zurück. Aber es noch weitere Werke, die er wieder herrichten könnte.

Martin Ottma mit dem restaurierten Ölbild, das jetzt wieder an seinem alten Platz auf dem Altar der Blankenseer Dorfkirche steht.
Quelle: Margrit Hahn

Blankensee. "Sie schickt der Himmel", freut sich Hella Strüber und strahlt übers ganze Gesicht. Sie kann das Glück kaum fassen, dass in der Blankenseer Kirche ein Bild fachmännisch und unentgeltlich restauriert worden ist. Der vom Himmel Geschickte ist der Restaurator Martin Ottma, der den Blankenseern nach einigen Umwegen ein schönes Geschenk machen konnte.

Nach der Wende wollte der Westberliner endlich all die Orte und schönen Kirchen besichtigen, die ihm durch den Mauerbau nicht zugänglich waren. So führte ihn seine Tour auch nach Blankensee. Ottma verliebte sich sofort in den idyllischen Ort. Da die Dorfkirche geöffnet war, schaute er sich dort um. Ein wenig verwundert war er über den modernen Baustil mit dem unattraktiven grauen Kratzputz, der seiner Ansicht nach nicht so recht mit der Innenausstattung des Gotteshauses zusammenpasst.

Ottma sah sofort, dass an etlichen Bildern, die sich im Gotteshaus befanden, der Zahn der Zeit nagte. Er kam mit einer Frau ins Gespräch und bot ihr an, dass er bei der Restaurierung behilflich sein könnte. Ein wenig wunderte sich Ottma schon, dass es darauf keine Reaktion gab. "Wir wissen bis heute nicht, mit welcher Frau er sich damals unterhalten hat", sagt Hella Strüber aus Blankensee, die Kirchenführungen anbietet und Konzerte organisiert.

Etliche Jahre später kam der Berliner noch einmal nach Blankensee und traf Hella Strüber. Die war überrascht, als ihr der Restaurator von seinem Angebot erzählte. Ihre Freude war groß, aber sie konnte nicht allein entscheiden. Das Angebot musste vom Gemeindekirchenrat abgesegnet werden.

Eigentlich hatte Martin Ottma das Bild mit Brandschäden über der Eingangstür ins Auge gefasst. Doch die Blankenseer baten darum, er möge dass Bild restaurieren, dass einst auf dem Altar stand. Dort ist ein kahler Fleck. Das Werk hatte die letzte Pfarrerin, Katharina Möller, auf die Patronatsloge gehängt, weil es nicht mehr schön aussah.

Dieses Bild sowie drei weitere aus der Kirche stammen mit großer Wahrscheinlichkeit von Johann Georg Kresser, der von 1693 bis 1721 Pfarrer in Blankensee und an der Ausstattung der Kirche beteiligt war. Auch das Bild "Hochzeit von Kanaan" dürfte von ihm sein.

Mit größter Sorgfalt begann Martin Ottma im Frühjahr mit der Restauration der testamentarischen Darstellung. Dabei stellte er fest, dass dieses Bild vor etwa 150 Jahren schon einmal restauriert wurde. "Auch der Schriftzug auf der Rückseite muss nachträglich hinzugefügt worden sein", sagt Ottma. Das Bild wies etliche Schäden auf, etwa Löcher und Dreiangel, die der Berliner in seiner Werkstatt beseitigte. "So etwas lässt sich nicht übers Knie brechen", sagt Ottma. 250 Arbeitsstunden stecken mindestens in dem Bild.

Vor zwei Wochen überreichte Ottma das restaurierte Bild während des Gottesdienstes an die Gemeinde. "Das war sehr schön. Dabei gab es vom Restaurator noch Wissenswertes zur Kunstgeschichte", sagt Hella Strüber. Sie hofft, dass Ottma, der auch als Gutachter arbeitet und schon so manche Fälschung erkannte, den Blankenseern weiter wohlgesonnen ist, denn es gibt noch einige Bilder, die eine Auffrischung gebrauchen können. Erst vor wenigen Tagen wurde bei der Renovierung des Pfarrhauses in der Räucherkammer ein Bild entdeckt, das auch von Kresser stammen dürfte.

Von Margrit Hahn

Märkische Allgemeine vom 21. November 2013

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