Zwei Generationen und jede Menge Feinarbeit

Schönberg (MZV) Auch tagsüber und innerhalb der Woche brennt in der Schönberger Kirche derzeit das Licht. Kein Wunder, denn für die Arbeiten, die dort erledigt werden, braucht es jede Menge Helligkeit. Die Decke im Gotteshaus wird saniert.

Eindrucksvoll: Die Decke der Schönberger Kirche ist ein wahres Kunstwerk. Sie ist reich verziert.
© MZV/Melzer-Voigt

Wer die Schönberger Kirche dieser Tage betritt, merkt vor allem eines: Es riecht nach Farbe. Dafür sorgen Heiko und Hans Gürtler, Malermeister aus Wolfsruh im Landkreis Oberhavel. Heiko Gürtler ist Inhaber der gleichnamigen Firma, sein Vater Hans mit seinen 70 Jahren eigentlich schon längst im Ruhestand. Doch die Arbeit an der Schönberger Kirche will sich der Senior nicht nehmen lassen.

Während Heiko Gürtler auf einem kleinen Gerüst steht, den Kopf in den Nacken gelegt hat und die vielen Ornamente an der Kirchendecke auf dünnes Papier überträgt, ist sein Vater am Boden zugange. Er ist dafür zuständig, die Muster, die sein Sohn ihm reicht, in eine Schablone umzuwandeln. Daher paust er die Formen ab, überträgt sie auf eine festere Oberfläche und schneidet sie aus. So entstehen die schmuckvollen Ornamente eins zu eins noch einmal. Diese nutzt Heiko Gürtler auf dem Gerüst dann, um die Kirchendecke auszubessern.

Nötig ist diese Arbeit geworden, weil infolge von Dacharbeiten Wasser durch die Decke kam. Stellenweise drang das Nass ein und sorgte dafür, dass sich die verzierte Kirchendecke verfärbte - nicht überall, nur partiell und vor allem an den Rändern. Aber die dunklen Flecken fallen auf, denn sie stören das ungewöhnliche Bild der Decke, die mit blauen, sandfarbenen und gelben Tönen verziert wurde.

Nachdem der Schaden durch die Firma, die das Dach gedeckt hat, ausgeglichen wurde, konnte sich die Kirchengemeinde Gedanken über die Deckensanierung machen. Die Wahl fiel gleich auf die Firma Gürtler. Denn sie ist nicht zum ersten Mal in dem Gotteshaus am Werk. "Wir haben die Decke vor knapp 25 Jahren schon einmal komplett gemalert", erklärt Hans Gürtler. Damals habe er sich auch hinter dem Altar verewigt, mit einer kleinen Unterschrift, wie es Handwerker manchmal bei besonderen Aufträgen machen. Seinerzeit seien zwei Männer rund drei Monate beschäftigt gewesen. Dieses Mal reicht rund ein Monat aus, um alle Schäden zu beseitigen. In Kürze wollen Vater und Sohn fertig sein. "Aber wir arbeiten nicht immer am Stück", so Heiko Gürtler.

Als die Kirchengemeinde die Gürtlers nun in diesem Jahr ansprach, dachten Vater und Sohn, dass die alten Schablone von vor 25 Jahren ja eigentlich noch irgendwo sein müssten. Sie suchten danach, allerdings ohne Ergebnis. "Da fiel mir ein, dass ich mit meinem Enkelsohn aufgeräumt hatte und sie dabei entsorgt habe", sagt Hans Gürtler. Dass die Vorlagen nach mehr als 20 Jahren noch einmal gebraucht werden, damit hatte niemand gerechnet.

Also wird nun etwas mehr Aufwand nötig: Das Abpausen ist ein zusätzlicher Schritt, doch Vater und Sohn haben sich gut eingearbeitet. Sie sprechen leise die verschiedenen Formen ab, dann geht Hans Gürtler von der Kirchenempore zurück ins Untergeschoss und beginnt damit, die Schablone zu erstellen. Doch das ist nicht die einzige Aufgabe des 70-Jährigen: Er stellt auch die Farbtöne zusammen. In Holzkoffern lagern die Trockenpigmente, die dafür gebraucht und durch ein Bindemittel geschmeidig gemacht werden. Einen Tisch haben die Gürtlers auch in der Kirche aufgestellt - er würde eher in das Atelier eines Künstlers als in ein Gotteshaus passen. Dutzende kleiner Farbtöpfe stehen darauf, alle mit exakt den Tönen, die auf den Teilen der Kirchendecke zu sehen sind, die nicht beschädigt wurde. "Um die Töne einzurühren, muss man Erfahrung haben", erklärt Heiko Gürtler. Denn den Malermeistern reichen ein paar Blicke, um genau den richtigen Farbton zu treffen. "Das haben wir gelernt", ergänzt Hans Gürtler. "Dafür brauchen wir keine Maschinen."

Da es sich beim Deckenschmuck um viele kleine Ornamente handelt, ist es nicht möglich, größere Flächen auf einmal einzufärben: Heiko Gürtler muss mit einem kleinen Pinsel arbeiten, wie er auch im Schulunterricht genutzt werden könnte. Das Projekt in Schönberg ist eine Puzzlearbeit, für die eine ruhige Hand gebraucht wird. Doch Heiko Gürtler, der sonst eher im Büro sitzt und die Aufträge des Unternehmens von dort koordiniert, genießt diese Beschäftigung, die mittlerweile recht ungewöhnlich für ihn geworden ist.

1930 wurde die Kirchendecke in ihrer heutigen Form gestaltet, 1988 haben die Gürtlers sie erneuert. Nachdem die Arbeiten nun im Jahr 2013 beendet sind, soll die Decke wieder viele Jahrzehnte die Blicke auf sich ziehen. "Natürlich wird sie mit der Zeit etwas verblassen", sagt Heiko Gürtler. "Es fällt ja doch etwas Licht in die Kirche." Aber die Folgen davon werden erst in vielen Jahren zu sehen sein.

Ulrich Baller, der als Pfarrer für Schönberg zuständig ist, ist jedenfalls sehr zufrieden, dass die Decke saniert wird. "Ich bin so dankbar", sagt er. Es dauert nicht mehr lange und die Besucher des Gotteshauses können wieder ins Staunen geraten angesichts der verzierten Kirchendecke.

Märkische Oderzeitung vom 22. November 2013

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